Signalschalter schützt Nervenzellen

Foto: Mann mit Alzheimer

Die Ergebnisse könnten bei der Entwicklung
neuer Therapieformen zur Behandlung von
Alzheimer weiterhelfen; © panthermedia.net/
Scott Griessel

Die Alzheimer-Erkrankung führt allmählich zum Untergang von Nervenzellen und dadurch zu großen Einbußen bei Gedächtnisbildung und Erinnerungsvermögen. „Viele Jahre bevor die ersten Symptome auftreten, kommt es im Gehirn der Betroffenen zu sogenannten Plaques, die aus fehlerhaft gefalteten Beta-Amyloid-Peptiden bestehen“, sagt Erstautor Professor Michael T. Heneka. Zudem finden sich in den Gehirnzellen der Erkrankten fehlerhafte Tau-Protein-Ablagerungen. „Es kommt in der Folge durch eine Signalkaskade zu einer chronisch-entzündlichen Reaktion und zum fortschreitenden Verlust von Nervenzellen“, berichtet Professor Eicke Latz.

Die Wissenschaftler haben nun einen neuen Signalweg entdeckt, der an der Entstehung der chronischen Entzündung der Gehirnzellen beteiligt ist. Eine Schlüsselrolle spielt die Caspase-1, die für die Aktivierung der Entzündungsreaktion mitverantwortlich ist. Die Forscher stellten in den Gehirnen von Alzheimer-Patienten im Vergleich zu gesunden Personen substanziell erhöhte Mengen der Caspase-1 fest. Diese erhöhten Werte gingen mit chronischen Entzündungsreaktionen der Immunzellen im Gehirn einher. Diese Befunde beobachteten die Wissenschaftler auch an genetisch veränderten Mäusen, die ein Modell der Alzheimer-Krankheit darstellen.

An den Entzündungssignalwegen, die zum Absterben von Gehirnzellen führen, ist außerdem das Gen NLRP3 entscheidend beteiligt. Die Wissenschaftler schalteten deshalb sowohl das NLRP3-Gen als auch die Caspase-1 in den Alzheimer-Mäusen aus. Es zeigte sich, dass es bei diesen Tieren zu keiner Entzündung in den Gehirnen kam und sie keine Gedächtniseinbußen entwickelten. Zudem erwies sich, dass in den Gehirnzellen der genetisch stumm geschalteten Mäuse viel weniger Beta-Amyloid-Peptide abgelagert wurden. Offenbar konnten die nicht entzündeten Zellen viel besser die abgelagerten Plaques als „Stoffwechselmüll“ entsorgen. Wenn die Gene für Caspase-1 und NLRP3 stumm geschaltet sind, werden die Nervenzellen und das Gedächtnis offenbar vor den typischen Alzheimer-Prozessen geschützt.

MEDICA.de; Quelle: Universität Bonn