Die Multiple Sklerose (MS) ist eine Autoimmunerkrankung des Zentralen Nervensystems, an der offenbar auch Umweltfaktoren beteiligt sind. In den vergangenen Jahren gab es Hinweise darauf, dass auch die Sonnenexposition eines Menschen sein MS-Risiko beeinflussen könnte, und zwar anders, als man denkt: Sonnenexposition soll das Risiko nicht erhöhen, sondern senken. Wissenschaftler glauben an folgenden Mechanismus: Sonne hat offenbar einen immunosuppressiven Effekt, indem sie Vitamin D aktiviert, welches wiederum die Produktion verschiedener Zytokine unterdrückt, die zur Multiplen Sklerose beitragen können. Nichts lag näher, als diese Hypothese in einer Studie zu untersuchen.

Das haben Wissenschaftler der „Keck School of Medicine” an der University of Southern California, Los Angeles, nun getan. Sie untersuchten 79 Zwillingspaare, bei denen einer der beiden Zwillinge an Multipler Sklerose leidet. Die Daten kamen aus der „International Twin Study“. Retrospektiv erhoben die Wissenschaftler bei allen Beteiligten verschiedene Daten, unter anderem, wie lange die jeweiligen Zwillinge in ihrer Kindheit der Sonne ausgesetzt waren. Dabei benutzten die Wissenschaftler einen Fragebogen, in dem nach verschiedenen Kindheitsaktivitäten gefragt wurde. Daraus errechneten die Studienleiter dann die vermutete Sonnenexposition während der Kindheit.

Beim Abgleich der Daten zeigte sich dann ganz klar: Personen, die während ihrer Kindheit relativ häufig der Sonne ausgesetzt sind, haben in der Tat ein geringeres Risiko, an einer Multiplen Sklerose zu erkranken als die Schattensucher. Konkret: Kinder, die sich im Frühling längere Zeit in der Sonne aufhalten, senken ihr MS-Risiko um bis zu 75 Prozent. Wer während heißer Tage im Sommer länger draußen ist als andere, kann sein Risiko um bis zu 60 Prozent senken.

MEDICA.de; Quelle: Neurology 2007, Vol. 69, S. 381-388