Wenn sich der Hirndruck erhöht, vermehrt sich die cerebrospinale Flüssigkeit zwischen Sehnerv und dessen Nervenscheide. Dies führt zu dem sonographischen Bild eines verbreiterten Sehnervs. In einer Untersuchung an der Abteilung für Kinderradiologie beziehungsweise der Kinderklinik an der Justus-Liebig-Universität Gießen sollte nun die sonographische Untersuchung des Sehnerven beim Kind klinisch erprobt werden. Ziel war außerdem, die Werte bei Kindern ohne erhöhten Hirndruck und denen mit erhöhtem Hirndruck miteinander zu vergleichen.

Die Sonographie des Sehnervs wurde bei 483 Patienten (287 männlich, 96 weiblich) im Alter von vier Tagen bis 24 Jahren durchgeführt. Das Durchschnittsalter lag bei 7,5 Jahren. Erfasst wurden die Breite des Sehnervs und morphologische Kriterien von Nervenscheide und Papille. Die Studienleiter werteten die Ergebnisse retrospektiv aus.

Die meisten der untersuchten Kinder (466) wiesen keine Hirndrucksteigerung auf. Typische morphologische Befunde bei Patienten mit normalem Hirndruck waren eine gut abgrenzbare Nervenscheide und eine Papille im Niveau. Die Breite des Sehnervs betrug im Mittel 3,4 mm mit einer Standardabweichung von 0,7 mm. 17 Patienten hatten erhöhten Hirndruck. Hier konnte typischerweise die Nervenscheide nicht abgegrenzt werden, oft fand sich eine vorgewölbte Papille. Die Sehnervbreite betrug im Mittel 5,6 mm mit einer Standardabweichung von 0,9 mm.

Die Sonographie kann also offenbar erhöhten Hirndruck unter Berücksichtigung der Sehnervbreite und morphologischer Kriterien mit hoher Sensitivität erkennen. Eine Sehnervbreite über 4,5 mm ist als pathologisch anzusehen. Typisches Kriterium ist die fehlende Abgrenzbarkeit der Nervenscheide, während die Vorwölbung der Papille nicht konstant nachweisbar ist.

MEDICA.de; Quelle: Rofo Fortschr Geb Rontgenstr N 2005, Vol. 177, S. 229-235