Sorge vor Krim-Kongo-Virus

„Neue Grippe-Subtypen können Epidemien und Pandemien auslösen“, sagt der Experte. „Die neuen Viren, die weltweite Pandemien auslösen können, besitzen ein neu kombiniertes Erbmaterial und damit auch neue krankmachende Eigenschaften.“

Sorge macht Reisinger auch das Krim-Kongo-Virus, das von Zecken übertragen wird und derzeit in der Türkei und in Griechenland auftritt. „Das ist ein gefährliches hämorrhagisches Virus, vergleichbar mit Ebola, mit hoher Sterblichkeitsrate“, sagt er. Aus der türkischen Schwarzmeerregion wurden aufgrund von Krim-Kongo-Fieber in den letzten Jahren mehrere Todesfälle gemeldet. Im Juni 2008 wurden erstmals in der Gegend um die Urlauberstadt Antalya am Mittelmeer Patienten mit Verdacht auf Krim-Kongo-Fieber behandelt. Reisinger mahnt an, dass die Tierbestände gut überwacht werden müssen. „Hier lauert eine große Gefahr, dass Krankheiten vom Tier auf Menschen übertragen werden".

Rückblick: am 14. Mai 2011 wurde die erste EHEC (Enterohämorrhagische Escherichia coli)-Patientin in die Universitätsmedizin Rostock eingeliefert. „Patienten litten unter Ausfallserscheinungen, sie sahen Doppelbilder, zeigten Lähmungen und psychiatrische Störungen“, schildert Doktor Hilte Geerdes-Fenge, Fachärztin für Innere Medizin an der Universitätsmedizin Rostock. Von Mai bis Juli 2011 litt vor allem Norddeutschland unter einem großen Ausbruch von EHEC. „Bei den Erkrankten kam es teilweise zu schweren Komplikationen mit blutigem Durchfall, einer Blutarmut, akutem Nierenversagen und Gerinnungsstörungen, dem sogenannten Hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS)“, erklärt Reisinger. „Wir haben eine ganze Station frei geräumt, wir wussten ja nicht, was da noch passiert und wie viele Menschen betroffen sein werden.“

„Die Erkrankten wurden mit Dialyse behandelt und mit einem Plasma-Austauschverfahren, das ist eine spezielle Form der Blutwäsche“, sagt Professor Steffen Mitzner, Leiter der Nephrologie. „Auch neue immunologisch wirksame Substanzen, wie monoklonale Antikörper kamen zum Einsatz.“ Am Ende waren es in Rostock 24 Patienten, die behandelt werden mussten, darunter sechs Kinder. Der letzte Patient kam am 26. Juni. „Dann war der Spuk vorbei“, sagt der Mediziner. Es war aber der größte Krankheitsausbruch durch EHEC-Infektionen in Deutschland. Es sind über 4 000 Menschen an EHEC erkrankt. Seit 2001 hat das Robert-Koch-Institut die Meldepflicht bei EHEC eingeführt. Seitdem werden jährlich zwischen 800 und 1200 EHEC-Kranke mit leichterem Verlauf als 2011 registriert.

MEDICA.de; Quelle: Universität Rostock