Sozial kompetent aus dem "Kindergarten"

Zusammen ist schöner; © Hemera

Für ihre Untersuchungen bildeten Dr. Igor Branchi und seine Kollegen vom Römischen Istituto Superiore di Samità Tiergruppen, in denen jeweils drei Mausmütter ihren Nachwuchs gemeinsam stillten und aufzogen. Die Vergleichsgruppen bestanden aus Müttern, die ihren Nachwuchs alleine unter den üblichen Laborbedingungen aufzogen.

Bei der Untersuchung des Nachwuchses fanden die italienischen Forscher heraus, dass Mäuse, die in der Gruppe aufgewachsen waren, rascher ihren sozialen Rang einnahmen als jene aus der Kontrollgruppe.

Die Wissenschaftler suchten in den Gehirnen der Mäuse nach einer Erklärung für die höhere soziale Kompetenz der Gruppentiere und fanden bei den "Gruppenmäusen" bestimmte Schlüsselmoleküle des Hirnstoffwechsels, die um ein Vielfaches erhöht waren. In bestimmten Gehirnregionen fanden sie deutlich erhöhte Mengen zweier Neurotrophine, die die Verbindungen zwischen Nervenzellen fördern. Bei den Gruppenmäusen war der Nervenwachstumsfaktor NGF um ein Fünffaches, der brain-derived neurotrophic factor um ein Achtfaches erhöht.

Daher nehmen die Forscher an, dass die in der Gruppe aufgewachsenen Tiere ein plastischeres Gehirn besitzen. Dies bedeutet, dass das Gehirn effektiver Verbindungen zwischen Nervenzellen aufbauen oder verändern kann. "Diese Ergebnisse legen nahe", sagt Branchi, "dass die Plastizität des Gehirns auch in der Entwicklung sozialer Kompetenz eine Schlüsselrolle spielt."

Studien an psychiatrischen Patienten zeigen, dass Depressionen und Schizophrenie mit ungünstigen Erfahrungen in der frühen Kindheit, sowie mit niedrigen Neurotrophinspiegeln, vor allem geringeren Mengen an BDNF, assoziiert sind. Die Forscher gehen darum davon aus, dass ein Mangel an sozialen Kontakten in der frühen Kindheit die Anfälligkeit für psychiatrische Erkrankungen wie beispielsweise Depressionen, Schizophrenie oder soziale Phobie erhöhen kann.

MEDICA.de; Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften