Speicheldrüsentransplantation bei Tumorpatienten

Foto: Speicheldrüse

Natürliche Lage einer Speicheldrüse
im Unterkiefer;© Universitäts-
klinikum Würzburg

Wenn im Mund zu wenig Speichel fließt, ist das unangenehm und problematisch. „Ohne eine ausreichende Speichelproduktion sind Mund und Rachen stets trocken und infektionsanfällig. Die Zunge brennt und klebt am Gaumen, das Geschmacksempfinden ist stark reduziert und auch das Essen macht keine Freude mehr“, sagt Professor Rudolf Hagen vom Würzburger Universitätsklinikum. Auch Zähne und Zahnfleisch werden ohne den Schutz des Speichels auf Dauer beeinträchtigt; es droht Zahnausfall.

Dieses Schicksal blieb vielen Patienten mit bösartigen Tumoren im Kopf- und Halsbereich bislang nicht erspart. „Bei solchen Krebsarten ist in der Regel eine intensive Radiotherapie notwendig, die leider eine dauerhafte Schädigung der Speicheldrüsen als Nebenwirkung mit sich bringt“, so Hagen. Obwohl auch die Radiotherapie deutlich schonender geworden ist und speziell die Ohrspeicheldrüsen effektiv aussparen kann, ist dies bei den Unterkieferspeicheldrüsen bislang nicht möglich.

Um Abhilfe zu schaffen, hat der Forscher eine mikrochirurgische Operationstechnik entwickelt, um bei den Patienten zumindest eine der sechs großen Speicheldrüsen voll funktionsfähig zu erhalten. Dabei wird das etwa sechs Zentimeter lange Organ vor der Strahlentherapie entnommen und in den Unterarm verpflanzt. „Wir schließen die Speicheldrüse dort an die Blutgefäße an und legen ihren Ausführungsgang nach außen an die Hautoberfläche“, schildert Hagen. „So kann der weiterhin produzierte Speichel in einen kleinen, auswechselbaren Auffangbeutel fließen.“

Nach der Bestrahlung wird die Drüse dann wieder in den Hals zurück implantiert. Diese Rückverpflanzung ist laut Hagen der schwierigste Teil der Operationsmethode, denn das Zielgewebe ist nach der Bestrahlung narbenartig verändert.

Dass die „Autotransplantation der Unterkieferspeicheldrüse nach Hagen“ auch wirklich funktioniert, hat er in diesem Jahr bewiesen: Im Februar hat er einem 69-jährigen Tumorpatienten die Speicheldrüse entnommen und im Unterarm „zwischengelagert“. Es folgten eine zweimonatige Radiotherapie und weitere zwei Monate Rekonvaleszenz. Im Juli 2012 verlegte Rudolf Hagen die Drüse dann zurück. Sie arbeitet seither problemlos und sorgt für einen ausreichend feuchten Mund und Rachen.

MEDICA.de; Quelle: Universität Würzburg