Speiseröhrenkrebs wirksamer behandeln

Foto: Chemotherapie

Die Radiochemotherapie kann die
Überlebenszeit der Betroffenen
verlängern; © panthermedia.net/
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Die Radiochemotherapie kann einen Speiseröhrenkrebs, medizinisch Ösophaguskarzinom genannt, vor der Operation so weit verkleinern, dass der Chirurg den Tumor anschließend vollständig entfernen kann. Die Behandlung kommt nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) für Patienten infrage, die sich in einem guten Allgemeinzustand befinden und bei denen Voruntersuchungen eine erfolgreiche Operation versprechen.

In Deutschland erkranken pro Jahr 6000 Menschen neu an einem Ösophaguskarzinom. „Da sich die Speiseröhre im Brustkorb hinter Herz und Lungen befindet, sind Krebsoperationen technisch sehr anspruchsvoll“, berichtet Professor Jürgen Dunst von DEGRO. Nicht immer gelinge es, den Tumor operativ komplett zu entfernen. „In etwa einem Drittel der Fälle findet der Pathologe bei der feingeweblichen Nachuntersuchung noch Krebszellen im Randbereich des herausoperierten Tumors“, erläutert Dunst. Daraus könnte sich erneut Krebs entwickeln, und die Überlebenszeiten verkürzten sich.

Bestrahlungen kombiniert mit einer Chemotherapie können den Tumor vor der Operation verkleinern und die Heilungschancen der OP verbessern. Die Radiochemotherapie vor der Operation stellt allerdings eine zusätzliche Belastung für den Patienten dar. Wegen möglicher Risiken wird diese Therapie bisher selten eingesetzt. Bei moderner Behandlungstechnik kann diese Radiochemotherapie die Heilungschance aber erheblich verbessern. Wesentliche Risiken sind nicht zu befürchten.

Dies bestätigt eine Studie aus den Niederlanden: Während eine Hälfte der Patienten ausschließlich operiert wurde, erhielt die andere Hälfte über fünf Wochen vor der Operation eine Strahlenbehandlung. Gleichzeitig erhielten die Patienten die Medikamente Carboplatin und Paclitaxel. Diese Zytostatika bremsen das Zellwachstum und verstärken die Strahlenwirkung in Tumorzellen. „Diese Kombinationstherapie ist für die Betroffenen zwar anstrengend“, sagt Professor Frederik Wenz. Die meisten Studienteilnehmer vertrugen die Radiochemotherapie aber gut. „Fast alle Patienten konnten den Therapieplan einhalten“, berichtet Wenz. Auf diese Weise konnte der Tumor in 92 Prozent der Fälle komplett entfernt werden, ein deutlicher Anstieg gegenüber der Vergleichsgruppe mit alleiniger Operation, bei der dies nur bei 69 Prozent möglich war. Bei fast jedem dritten Patienten waren nach der Radiochemotherapie im Tumor keine überlebenden Tumorzellen mehr nachweisbar.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO)