Sport gegen das Vergessen

Foto: Mann auf Laufband

Forscher wollen klären, in welcher
Form Sport Alzheimer aufhalten
kann; © Hemera

"Studien weisen darauf hin, dass Sport positive Auswirkungen auf Demenzkranke haben kann", erklärt Professor Jens Wiltfang, Psychiater an der Uniklinik Essen. Allerdings konnten in den bisherigen Untersuchungen Fragen zur Art, Intensität, Häufigkeit und Dauer der Aktivitäten noch nicht geklärt werden.

Die Wissenschaftler gehen in ihrer jetzigen Studie von der Annahme aus, dass vielfältige sportliche Aktivität in Form eines Trainingsprogrammes den Patienten helfen könnte. Sie nehmen an, dass durch diese Übungen der für die Alzheimer-Erkrankung typische Abbau von Fähigkeiten wie Wahrnehmung, Denken und Erinnern verzögert werden kann. Mit dem Ziel, dass die Betroffenen ihren Alltag möglichst lange bewältigen und in ihrem gewohnten häuslichen Umfeld bleiben können. Gleichzeitig gehen die Wissenschaftler davon aus, dass auch die Angehörigen von der größeren Selbständigkeit der Kranken profitieren, weniger depressive Symptome entwickeln.

An der Studie "Sport&C0G" können deutschlandweit Patienten in Essen, Bochum, Bonn, Erlangen, Göttingen, Homburg und Ulm teilnehmen. Insgesamt werden 300 Patienten, die unter Alzheimer in einem frühen Stadium leiden, nach dem Zufallsprinzip in zwei gleich große Gruppen unterteilt. "Die erste erhält ein spezifisches, altersgerechtes Sportprogramm", erklärt Sportwissenschaftler Alfred Rütten aus Erlangen. Es schult Kraft, Beweglichkeit sowie geistige Fähigkeiten.

Die Probanden der Kontrollgruppen machen hingegen ausschließlich Dehnübungen. Die Trainingszeit von insgesamt 48 Stunden ist hingegen identisch und bei beiden Gruppen auf ein halbes Jahr verteilt. Vor und nach der Teilnahme an den Übungen sowie nach sechs Monaten werden die 600 Probanden untersucht. Dabei stehen ihre aktuellen Beschwerden und Symptome im Fokus. "Zusätzlich erfassen wir die krankheitsbezogene Belastung und die Depressivität der Angehörigen. Diese Faktoren haben meist einen ganz entscheidenden Einfluss auf den Zeitpunkt der Heimunterbringung", betont Wiltfang.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Essen