Sport hilft Patienten während der Stammzelltransplantation

Foto: Krebspatient beim Sporttraining mit Krankenschwester

Sport hilft Patienten während der
Stammzelltransplantation; © NCT
Heidelberg

Patienten, die unter Blutkrebs leiden, können durch eine allogene Stammzelltransplantation geheilt werden. Bei dieser extrem belastenden Therapie erhalten sie zunächst eine Chemotherapie, die ihr eigenes blutbildendes System ausschaltet und anschließend Stammzellen eines gesunden Spenders. Die Therapie schaltet die Immunabwehr des Patienten aus, was notwendig ist, damit die Spenderzellen nicht abgestoßen werden. Für den nun schutzlosen Patienten bedeutet dies, dass er isoliert in einer keimfreien Umgebung meist über mehrere Wochen behandelt werden muss.

„Die Patienten befinden sich mit ihrer lebensbedrohlichen Krebserkrankung in einer Art Ausnahmezustand. Mit unserer Studie konnten wir zeigen, dass gezielte körperliche Aktivität, die bereits vor der eigentlichen Behandlung startet und auch danach weitergeführt wird, nicht nur das gefürchtete Fatigue-Syndrom abmildert, sondern auch die Lebensqualität und die Fitness der Patienten nachhaltig steigert“, freut sich Doktor Joachim Wiskemann, stellvertretender Leiter des Programms Sport und Krebs.

In der gemeinsamen Studie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (Mannheim) und des Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) wurden 80 Patienten, einer Sport- oder einer Kontrollgruppe zugeordnet. Während die Sportgruppe zusätzlich zur klinischen Standardbehandlung zweimal pro Woche ein von Trainern angeleitetes Programm an Sportgeräten durchführte, erhielt die Kontrollgruppe lediglich Zugang zu Sportgeräten, jedoch mit demselben Maß an sozialer Betreuung.

Der körperliche und seelische Zustand der Patienten wurde zu unterschiedlichen Zeitpunkten erhoben und bewertet. Der wichtigste Effekt zeigte sich beim Fatigue-Syndrom. Zu Beginn der Behandlung waren die Symptome mit dem Fatigue-Score gemessen worden. Bei den Patienten in der Sportgruppe war dieser zum Abschluss der Studie um 15 Prozent geringer ausgeprägt. Im Gegensatz dazu war die Fatigue in der Kontrollgruppe um 28 Prozent erhöht.

„Wir hätten nie gedacht, dass die schwerkranken Patienten auch ohne die ständige Begleitung unseres Studienpersonals vor und während der Transplantation trainieren. Auch dass das regelmäßige Üben danach zu Hause nahezu konsequent fortgesetzt wurde, hat uns positiv überrascht“, erläutert Professor Martin Bohus vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit. „Durch das regelmäßige Training konnten wir den Patienten helfen, diese normalerweise von körperlicher Inaktivität geprägte Phase der Transplantation besser zu überstehen und erhebliche psychische Folgestörungen zu reduzieren.“


MEDICA.de; Quelle: Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg