Stammzellen aus der Nase

Foto: Stammzellen aus der Nasenmuschel

Stammzellen aus der Nasenmuschel:
Die 630-fache Vergrößerung zeigt
die Zellkerne (grün) und das Protein
Nestin (rot), das typisch ist für
Stammzellen; © Universität Bielefeld

Laut den Forschern ist ein Vorteil der Methode, dass in kurzer Zeit große Mengen von Zellen hergestellt werden können. Die Methode kann neue Behandlungen von akuten und chronischen Verletzungen im Gesicht ermöglichen.

Stammzellen gelten als Alleskönner unter den Zellen. Während die meisten Zellen des Körpers eine spezielle Aufgabe haben – etwa Hautzellen, die den Körper vor schädlichen Einflüssen von außen schützen – sind Stammzellen nicht spezialisiert: Sie sind Ursprungszellen, aus denen Haut, Nerven oder auch Knochen entstehen können. Außerdem dienen sie dazu, im Fall von Verletzungen und Erkrankungen beschädigte Zellen zu reparieren. Bei den Stammzellen, die die Forscher für ihre neue Methode nutzen, handelt es sich um adulte Stammzellen

Das Forschungsteam unter Leitung von Kaltschmidt arbeitet mit Stammzellen aus der unteren Nasenmuschel. Damit sind diese Stammzellen sehr leicht zugänglich. Eine weitere Besonderheit: Sie können bis ins hohe Alter von Patienten isoliert und dazu angeregt werden, zu spezialisierten Zellen zu werden.

Mit der neuen Methode eröffnen sich den Wissenschaftlern zufolge neue Chancen für Behandlungen von Verletzungen und Krankheiten. So könnten die Stammzellen in der Chirurgie genutzt werden, um nach Verbrennungen oder Schnittverletzungen ein Gesicht mit neu kultivierten Haut-, Knochen- und Nervenzellen wieder herzustellen. Auch könnten die Stammzellen zukünftig eingesetzt werden, um Nervenkrankheiten wie Parkinson und Alzheimer zu behandeln. Die Wissenschaftler verwenden für die Vermehrung der Stammzellen Blutplasma von Menschen und verzichten auf tierische Zusatzstoffe. Bei der Behandlung eines Patienten, wenn etwa neue Haut auf ein Gesicht aufgebracht werden soll, können so patienteneigene Stammzellen in eigenem Blutplasma kultiviert werden. Das hat den Vorteil, dass der Körper das neue Gewebe nicht abstößt. Hinzu kommt, dass durch die Verwendung des Blutplasmas eine dreidimensionale Matrix entsteht, welche die ursprüngliche Nische der Stammzellen nachahmt.

In weiteren Studien wollen die Forscher untersuchen, wie sich die adulten Stammzellen aus der Nase so „umprogrammieren“ lassen, dass sie noch plastischer werden. So sollen die Anwendungsmöglichkeiten für medizinische Zwecke vergrößert werden.


MEDICA.de; Quelle: Universität Bielefeld