Stammzelltherapie durch die Nase

Foto: Ratte

Eine operationsfreie Methode zur Be-
handlung der Parkinsonkrankheit war
im Tierversuch erfolgreich; © panther-
media.net / Armin Staudt

Ein Forscherteam um Doktor Lusine Danielyan von der Universität Tübingen hat erstmals nachgewiesen, dass Stammzellen im Tierversuch auch über die Nase ins Gehirn transportiert werden und dort ausreichend lange überleben können, sodass eine merkliche Linderung der Parkinson-Symptome eintritt. Die Forscher hoffen, aus diesem Ansatz eine Therapie entwickeln zu können, die den Patienten eine Gehirnoperation erspart und die über längere Zeit wiederholt eingesetzt werden kann.

Danielyan und das Forscherteam verwendeten für ihre Versuche Ratten, die zwar nicht an Parkinson erkrankt waren, bei denen aber die Versorgung mit dem Botenstoff Dopamin im Gehirn durch einen operativen Eingriff gestört worden war. Eine solche Störung ist eine Begleiterscheinung der Parkinsonkrankheit. Den Tieren wurden mesenchymale Stammzellen über die Nase verabreicht. Die Zellen wanderten bevorzugt ins Gehirn und dort in die geschädigte Hirnregion. Ein großer Teil überlebte sechs Monate oder länger. In dieser Zeit kompensierten die Stammzellen die Symptome der Störung der Dopaminversorgung: Der Dopaminspiegel stieg in der behandelten Region und erreichte höhere Werte als bei unbehandelten Kontrolltieren. Zudem entfalteten die Zellen in den geschädigten Hirnregionen einen stark entzündungshemmenden Effekt und verbesserten die motorische Funktion der Tiere.

Die Forscher weisen darauf hin, dass auch der Weg über Arterien oder Venen, also die Blutbahn, den operativen Eingriff ersetzen könne. Beide Wege über den Blutkreislauf seien aber mit gravierenden Nebenwirkungen verbunden.

Schon in früheren Arbeiten hatten die Forscher gezeigt, dass der Weg über die Nase gut geeignet ist, Stammzellen in verschiedene Regionen des Gehirns zu transportieren. Die neueste Arbeit diente dazu nachzuweisen, dass diese Zellen am Ziel auch überleben und dort therapeutische Wirkung entfalten.

„Diese neue nicht invasive Verabreichungsmethode der Zellen in das Gehirn stellt ein schonenderes und für mehrmalige Gaben geeignetes Verfahren dar, das in Behandlung sowohl degenerativer als auch Tumorerkrankungen des zentralen Nervensystems verwendet werden kann. Natürlich ist der Weg bis zur klinischen Anwendung noch sehr weit […]“, sagt Danielyan.


MEDICA.de; Quelle: Eberhard Karls Universität Tübingen