Bild: Zwei Schafe 
Schafen wurde nach einem
Schlaganfal bereits mit Stamm-
zellen geholfen; © Pixelio.de

Ein Schlaganfall wird durch ein Blutgerinnsel ausgelöst, das über den Blutkreislauf ins Gehirn gelangt. Dort verstopft es das feine Ende einer Hirnarterie und schneidet so die umgebenden Nervenzellen von der Sauerstoffversorgung ab. Das unmittelbar betroffene Nervengewebe stirbt sofort ab; angrenzende Hirnregionen lassen sich manchmal retten, wenn der Blutpfropfen spätestens drei Stunden nach dem Hirninfarkt mit Hilfe von Medikamenten aufgelöst wird. Innerhalb dieser Zeit kommt jedoch nur einer von vier Schlaganfall-Patienten in ärztliche Behandlung.

"Mit Stammzellen könnten wir dieses enge Zeitfenster von drei Stunden auf drei Tage dehnen", sagt Johannes Boltze, Humanmediziner am Leipziger Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI. Das zeigen seine Versuche an Ratten, deren neurologische Ausfallerscheinungen durch einen künstlich herbeigeführten Schlaganfall bereits wenige Tage nach einer Stammzell-Transplantation wieder verschwinden. Die Stammzellen wirken offenbar aus der Ferne, sie senden Signalstoffe, die die Selbstheilungskräfte des Gehirns mobilisieren.

Weil sich Versuche an Ratten nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragen lassen, arbeiten die Forscher jetzt auch mit Schafen. Obwohl das Gehirn von Schafen etwas anders organisiert ist als das menschliche, gibt es keinen entscheidenden Unterschied beim Ablauf eines Infarkts.

Ein erster Versuch verlief äußerst erfreulich: Sieben von insgesamt acht Schafen, die 24 Stunden nach einem operativ herbeigeführten Schlaganfall mit eigenen Stammzellen behandelt wurden, verhielten sich bereits 30 Tage später wieder weitgehend normal. Das achte Tier erholte sich - ebenso wie elf unbehandelte Kontrolltiere - weniger gut von seinen Schäden. Doch dieses Schaf hatte von vornherein ungewöhnlich wenig Stammzellen im Blut - offenbar zu wenig für eine erfolgreiche Therapie.

MEDICA.de; Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft