Gutachten: Stand der deutschen hochschulmedizinischen Forschung

27.02.2014
Foto: Europa-Karte

Keiner der hochschulmedizinischen Standorte in Deutschland verfügt über eine internationale Spitzenposition, so das Gutachten der Expertenkommis-
sion Forschung und Innovation;
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Deutschland verfügt über leistungsfähige hochschulmedizinische Standorte, aber keiner dieser Standorte nimmt eine internationale Spitzenposition ein. Zu diesem Ergebnis kommt die Expertenkommission Forschung und Innovation in ihrem aktuellen Gutachten.

Um die Hochschulmedizin in Deutschland zu stärken, sollte die Forschung räumlich deutlicher konzentriert werden. Für systematische Mehrbelastungen der Hochschulklinika sollte ein Ausgleich geschaffen werden. Zudem fordert die Expertenkommission, die Arbeitsbedingungen an den Hochschulklinika für Nachwuchswissenschaftler attraktiver zu gestalten.

In ihrem aktuellen Jahresgutachten zeichnet die Expertenkommission ein durchwachsenes Bild der deutschen Hochschulmedizin. Deutschland verfügt zwar über produktive hochschulmedizinische Einrichtungen, die Qualität der Forschung erreicht allerdings nicht das Niveau internationaler Spitzenstandorte, zu denen neben den USA beispielweise auch die Niederlande und Kanada gehören.

Mit Blick auf die führenden Medizinforschungsstandorte identifizieren die Experten die räumliche Nähe von Forschungseinrichtungen, Krankenhäusern und Unternehmen als eine zentrale Voraussetzung für exzellente Forschung und effiziente Translation. Die Experten sprechen sich daher nachdrücklich für eine regionale Konzentration von medizinischen Forschungseinrichtungen und gegen eine weitere Fragmentierung der deutschen Forschungslandschaft aus: Spitzenleistungen in der Forschung erfordern eine bestimmte kritische Größe der hochschulmedizinischen Standorte. Neue Standorte sollten nicht eingerichtet werden, es sei denn, sie weisen außergewöhnliche Innovationspotenziale auf. „Als Instrument des Regionalproporzes sind Hochschulklinika denkbar ungeeignet“, heißt es in dem Bericht. Vor dem Hintergrund des wachsenden Kosten- und Wettbewerbsdrucks empfiehlt die Expertenkommission, die Forschungsmittel in der Hochschulmedizin noch stärker auf besonders leistungsfähige deutsche Standorte zu konzentrieren.

Die Expertenkommission konstatiert weiter, dass die Hochschulklinika in Deutschland systembedingten Mehrbelastungen ausgesetzt sind, etwa durch die Ausbildung des Ärzte- und Forschernachwuchses und durch Extremkostenfälle. Diese werden durch das bestehende Vergütungssystem nicht angemessen kompensiert. „Es besteht daher die Gefahr“, so die Expertenkommission, „dass die finanziell defizitäre Krankenversorgung in den Hochschulklinika durch Mittel subventioniert wird, die eigentlich für Forschung und Lehre bestimmt sind. Die Medizinforschung an den deutschen Standorten wird auf diese Weise gegenüber vergleichbaren Institutionen im Ausland benachteiligt.“

Verbesserungsbedürftig ist auch die Situation der forschenden Mediziner. In Deutschland ist eine Karriere in der medizinischen Forschung weniger attraktiv als in anderen Ländern. Fehlende finanzielle Anreize, ausgeprägte Hierarchien an Hochschulklinika sowie die schwierige Vereinbarkeit von Patientenversorgung und Forschung werden von der Expertenkommission als Hauptgründe identifiziert. „Unter den bestehenden Gegebenheiten droht der deutschen Medizinforschung der weitere Verlust talentierter Nachwuchskräfte und eine Schwächung der Forschungsqualität“, so warnen die Experten.

MEDICA.de; Quelle: Expertenkommission Forschung und Innovation