Starke Schmerzmittel für den Notfall sind rar

Das nächste erreichbare Schmerz-
mittel ist oft weiter entfernt als
ausgeschildert; © ABDA

Zu diesem Ergebnis führte eine telefonische Befragung bei 74 zufällig ausgewählten Notdienstapotheken in Nordrhein-Westfalen, die das Palliativnetz Bochum im November durchführte. Die Befragung ergab auch ansonsten ein schwaches Bild: 33 der diensthabenden Apotheken wurden mit zwei Versuchen nicht erreicht, nur eine Apotheke war in der Lage, eine sinnvolle Alternative für das fehlende Schmerzmittel zu nennen.

"Für einen Tumorpatienten ist die Tatsache, dass ein notwendiges Schmerzmittel erst in 24 Stunden besorgt wird, wirklich unerträglich", kommentiert Prof. Dr. Michael Zenz, Präsident der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS). Notdienstapotheken müssen laut Betriebsordnung eine Reihe von Arzneimitteln stets vorrätig halten, darunter auch zwei stark wirksame Schmerzmittel, die in der Tumorschmerztherapie unverzichtbar sind: Morphin in Tropfenform oder als Injektionslösung.

Erreicht wurden bei der telefonischen Befragung nur 41 von 74 Notdienst-Apotheken (55,41%). Nur acht von ihnen, weniger als 20%, hatten beide Medikamente vorrätig. "Insgesamt war die Vorhaltung von Morphintropfen noch am günstigsten, hier teilten dreizehn Apotheken (32%) mit, sie zu führen oder sehr kurzfristig besorgen zu können", sagt Dr. Matthias Thöns vom Bochumer Palliativnetz. Nur ein einziger Apotheker war in der Lage, eine medizinisch sinnvolle Alternative für Morphin zu benennen, zwei weitere hatten zwar stark wirksame Schmerzmittel vorrätig, gaben aber fälschlicherweise an, die angegebenen Medikamente seien zur Akutschmerzbehandlung geeignet.

„Das Wissen um stark wirksame Schmerzmittel in den Apotheken ist oft erschreckend gering. Wiederholt berichten meine Patienten auch über Vorurteile von Apothekern gegenüber diesen notwendigen Medikamenten", so Thöns.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS)