Wirkstoffe aus der Gruppe der Statine sind wirksame Cholesterinsenker. In einer Studie haben sie nun auch andere Qualitäten gezeigt. Die Untersuchung unter der Leitung von Dr. Donald A. Redelmeier vom Sunnybrook & Women's Hospital in Toronto, Kanada, hatte 69.198 Teilnehmer. Die Probanden waren wegen einer kardiovaskulären Erkrankung im Krankenhaus aufgenommen worden. Etwa die Hälfte der Patienten bekam innerhalb von 90 Tagen nach der Entlassung ein Medikament aus der Wirkstoffgruppe der Statine verschrieben, die anderen nicht.

Während eines Nachbeobachtungszeitraums von durchschnittlich 2,2 Jahren erkrankten 551 der Patienten unter dem Statin an einer Sepsis, 667 Patienten, die kein Statin erhalten hatten, erkrankten ebenfalls. Offensichtlich also kann ein Wirkstoff aus der Gruppe der Statine das Risiko einer Sepsis um 19 Prozent senken. Profitieren können auch Patienten aus Hochrisikogruppen mit Nierenversagen oder Diabetes mellitus.

Als man sich die Sepsis-Fälle genauer ansah, merkte man, dass auch die schweren und sogar die tödlichen Sepsis-Fälle durch die Statine zurück gingen, und zwar um 17 beziehungsweise 25 Prozent.

Wahrscheinlich beruht der protektive Effekt des Statins in Bezug auf septische Erkrankungen nicht auf dessen cholesterinsenkender Wirkung. Denn andere Wirkstoffe, die das Cholesterin wirkungsvoll senken, haben keinerlei Einfluss auf das Sepsis-Risiko. Wahrscheinlich dämpfen Statine die Immunreaktionen, welche bei einer Sepsis auftreten. Somit haben Statine wohl einen überlappenden und kumulativen Nutzen bei der Behandlung kardiovskulärer Erkrankungen.

Für den Studienleiter ist die Schlussfolgerung jedenfalls klar: Patienten unter Statintherapie, die an einer Pneumonie oder anderen Infektion erkranken, sollten diesen Wirkstoff weiterhin einnehmen und nicht absetzen.

MEDICA.de; Quelle: Lancet 2006, Early Online