Man vermutet, dass Cholesterinspiegel das Karzinomrisiko beeinflussen. Dies wird verständlich, wenn man bedenkt, dass Cholesterin der Vorläufer zur Steroidhormonsynthese ist und diese Hormone wiederum das Mammakarzinomrisiko beeinflussen. Aus diesem Grunde hat man auch vermutet, dass cholesterinsenkende Medikamente aus der Gruppe der 3-Hydroxy-3-Methylglutaryl Coenzym A Reductase-Hemmer, die so genannten Statine, das Mamakarzinomrisiko negativ beeinflussen könnten.

Dies ist aber offenbar nicht so, wie jetzt eine Teilstudie der "Nurse’s Health Study" mit 79.994 Frauen im Alter zwischen 42 und 69 Jahren zeigt. Keine der Frauen hatte zu Beginn der Studie ein Karzinom, alle wurden zwölf Jahre lang nachverfolgt. Bei 75.828 dieser Frauen eruierte man nachträglich die Einnahme von Wirkstoffen aus der Gruppe der Statine. Zwischen 1990 und 2000 hielt man zudem prospektiv die Cholesterinwerte der Probandinnen fest.

Während des Follow-up trat bei 3.177 Frauen ein Mammakarzinom auf. Im Vergleich zu Frauen, die keine Statine einnahmen, hatten jene, die einen Wirkstoff aus dieser Gruppe eingenommen hatten, ein vergleichbares Risiko, an einem Mammakarzinom zu erkranken. Dies war unabhängig davon, ob die Frauen ein Statin jemals eingenommen hatten oder noch immer einnahmen. Auch die Zeitdauer der Einnahme hatte keinen Einfluss auf das Karzinomrisiko.

Ebenfalls keinen Einfluss auf das Mammakarzinom-Risiko haben offenbar Cholesterinspiegel. Frauen mit einem LDL-Cholesterinspiegel über 240 mg/dl erkrankten ebenso häufig oder selten an einem solchen Karzinom wie Frauen mit einem LDL-Cholesterinspiegel von unter 180 mg/dl.

Statine haben also wahrscheinlich keinen Einfluss auf das Brustkrebsrisiko, weder positiv noch negativ.

MEDICA.de; Quelle: Archives of Internal Medicine 2005, Vol. 165, S. 2264-2274