Bislang gibt es nur wenige Daten zur Bedeutung des CRP-Wertes (C-reaktives Protein) bei einer HIV-Infektion. In einer Studie sollte nun der Zusammenhang zwischen CRP-Wert, Immunsuppression und HIV-Progression untersucht werden. Wissenschaftler gewannen im Rahmen der „Multicenter AIDS Cohort Study“ 513 HIV-positive Männer für diese Untersuchung. Alle Beteiligten waren homosexuell oder bisexuell. Zwischen Oktober 1984, dem Beginn der Studie, und Dezember 1996 nahmen die Wissenschaftler regelmäßig Blut ab und untersuchten den CRP-Wert.

Zwischen dem CRP-Wert und den üblichen Markern einer HIV-Infektion wie CD4-Zellzahl und HIV-RNA-Spiegeln gab es nur eine schwache Assoziation. Männer in der höchsten Gruppe der CRP-Werte (mehr als 2,3 Milligramm pro Liter) dagegen zeigten eine beschleunigte Progression der Infektion zum AIDS-Vollbild. Und zwar unabhängig von der CD4-Zellzahl und den HIV-RNA-Spiegeln.

Außerdem steigen die CRP-Spiegel über die Jahre hinweg signifikant an, unabhängig davon, ob sich das AIDS-Vollbild zeigt oder nicht. Allerdings fiel der CRP-Anstieg bei jenen Patienten, die sich auf ein AIDS-Vollbild zubewegten, steiler aus als bei den anderen Betroffenen.

Nach Ansicht von Dr. Bryan Lau von der Johns Hopkins School of Medicine, USA, könnte der CRP-Wert als zusätzlicher prognostischer Marker bei der HIV-Infektion eingesetzt werden, neben den bereits etablierten. Allerdings, so schränkt er ein, bezog sich die vorliegende Studie nur auf homo- und bisexuelle Männer. Weitere Studien sollen nun klären, ob die Ergebnisse auch auf heterosexuelle Männer und Frauen übertragen werden können. Da erhöhte CRP-Werte auch ein kardiovaskulärer Risikofaktor sind, könnte das Ergebnis der Studie auch bedeuten, dass HIV-Positive ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko haben.

MEDICA.de; Quelle: Archives of Internal Medicine 2006, Vol. 166, S. 64-70