Wenn Patienten sich dem Tode nähern, dann haben sie oft große Beschwerden verschiedenster Art. Dies kann eine Indikation zur „palliativen Sedierung“ sein, in der der Arzt sedierende Wirkstoffe verabreicht, die den Sterbenden beruhigen. Geht eine Sedierung bis zur Bewusstlosigkeit, spricht man gelegentlich auch von „terminaler Sedierung“. Dieses Thema berührt natürlich emotional und ethisch sehr stark. In den Niederlanden hat man jetzt die Praxis der „terminalen Sedierung“ untersucht.

In dieser landesweiten Untersuchung wurden in den Jahren 2001 und 2005 niederländische Ärzte angeschrieben, die mit Sterbenden zu tun haben. Man bat sie, einen Fragebogen auszufüllen, in dem sie über ihre ärztlichen Entscheidungen in den Todesstunden eines Patienten Auskunft geben sollten. Im Jahre 2001 beantworteten 5.617 Ärzte (74 Prozent) diesen Fragebogen, im Jahre 2005 waren es 6.860 Ärzte (78 Prozent).

Gemäß der Ärzteangaben wurden im Jahre 2001 5,6 Prozent aller Sterbenden vor ihrem Tod bis zur Bewusstlosigkeit sediert. Im Jahre 2005 waren es bereits 7,1 Prozent. Dies traf vor allem für jene Patienten zu, die in der Behandlung von Allgemeinärzten waren oder an einem Karzinom litten. 2001 hatten 33 Prozent aller sedierten Patienten an Krebs gelitten, 2005 waren es 47 Prozent.

In 83 Prozent der Fälle hatten die Ärzte Benzodiazepine zur Sedierung eingesetzt. Bei fast allen Patienten (94 Prozent), die solcher Art sediert wurden, dauerte dies höchstens eine Woche lang bis zum Tode an. Neun Prozent aller Patienten, die eine kontinuierliche tiefe Sedierung erhielten, hatten zuvor vergeblich um Euthanasie gebeten, was in den Niederlanden bekanntlich unter bestimmten Umständen möglich ist. Neun von hundert Ärzten, die sich für eine Sedierung im Sterbestadium entschieden, hatten sich dabei mit einem Palliativmediziner beraten.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2008, Vol. 336, S. 810-813