Oft wird das Karpaltunnelsyndrom chirurgisch behandelt. Auch Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) finden Anwendung. Allerdings haben viele Patienten auch nach solchen Eingriffen noch Schmerzen und Beschwerden. Steroidinjektionen erweitern die Palette der Behandlungsmöglichkeiten. Allerdings sind Steroidinjektionen bislang nicht in einer randomisierten Studie mit der chirurgischen Dekompression verglichen worden.

Dies holt jetzt eine Studie nach, an der 101 Patienten teilnahmen. Alle litten klinisch und neurophysiologisch an einem Karpaltunnelsyndrom. 163 Handgelenke wurden randomisiert entweder chirurgisch dekomprimiert oder erhielten eine lokale Steroidinjektion. Zu Beginn der Studie und nach drei, sechs und zwölf Monaten wurden die Beschwerden klinisch evaluiert.

Zu Beginn der Studie waren die Beschwerden in beiden Gruppen miteinander vergleichbar. Nach drei Monaten verbesserten sich bei 94,0 Prozent der Patienten unter Steroidinjektion die Beschwerden – gemessen anhand einer visuellen Analogskala – um mindestens 20 Prozent. Unter der chirurgischen Therapie waren dies nur 75,0 Prozent (p gleich 0.001). Nach sechs beziehungsweise zwölf Monaten lagen die entsprechenden Werte bei 85,5 versus 76,3Prozent (p gleich 0.16) beziehungsweise 69,9 versus 75,0 Prozent (p gleich 0.49).

Auch in Bezug auf eine Symptomverbesserung von 50 beziehungsweise 70 Prozent nach drei Monaten war die Steroidinjektion dem chirurgischen Eingriff überlegen. Bei den unerwünschten Wirkungen waren beide Gruppen miteinander vergleichbar.

Die Studienleiter haben eine simple Erklärung für die kurzfristige Überlegenheit der Steroidinjektion gegenüber der chirurgischen Therapie: Sie lindert schnell die Beschwerden, während das Skalpell Wunden reißt, die noch lange schmerzen.

MEDICA.de; Quelle: Arthritis & Rheumatism 2006, Vol. 52, S. 612-619