Stifterverband prämiert Hirnschrittmacher

Prof. Dr. Dr. Peter A. Tass
© FZ Jülich

Der Mediziner, Mathematiker und Physiker Tass leitet die Arbeitsgruppe Magnetenzephalographie und Hirnschrittmacher des Instituts für Medizin am Forschungszentrum Jülich, der Mediziner Sturm ist Direktor der Klinik für Stereotaxie und Funktionelle Neurochirurgie der Universität Köln.

„Den diesjährigen Preisträgern ist es hervorragend gelungen, die Disziplinen Mathematik, Physik und Medizin zu verbinden. Dadurch konnten sie eine Therapie entwickeln, die gezielt bestimmten krankhaften Prozessen bei Parkinson entgegen wirkt“, erklärte Prof. Dr. Johanna Stachel, ein Mitglied der Jury.

Tass und seine Mitarbeiter haben das synchrone Feuern der betroffenen Hirngebiete in mathematischen Modellen nachgebildet. Mit Methoden der Mathematik und Physik entwickelten sie Stimulationstechniken, die durch das Ausnutzen von Selbstorganisations-Vorgängen der Nervenzellverbände ganz besonders effektiv und schonend wirken.

Prof. Dr. Volker Sturm
© Dr. Bührle, Köln

Die neu erworbenen Erkenntnisse ermöglichten es den Wissenschaftlern, ein neues Verfahren zur Hirnstimulierung zu entwickeln, das einzelne elektrische Impulse bedarfsgesteuert an unterschiedliche Gruppen von Nervenzellen verabreicht. Bei dem Verfahren werden die Nervenimpulse nicht wie bei herkömmlichen Implantaten unterdrückt, sondern aus dem Takt gebracht, also desynchronisiert.

Wie die erfolgreiche erste klinische Erprobung gemeinsam mit dem Forschungspartner Sturm am Universitätsklinikum Köln zeigte, wird das Zittern bei Patienten mit Parkinson oder Multipler Sklerose besser und mit erheblich weniger Reizstrom unterdrückt. Deshalb ist zu erwarten, dass diese milde, aber sehr effiziente Modulation der Nervenzelltätigkeit im Dauergebrauch weniger Nebenwirkungen hervorrufen wird. Darüber hinaus scheint die Methode auch für die Behandlung anderer neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen ein Lichtblick zu sein.

MEDICA.de; Quelle: Stifterverband