Bewaffnete Konflikte betreffen die medizinische Versorgung der Bevölkerung auf unterschiedliche Weise. Dies gilt auch für palästinensische Gebiete. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat empfohlen, in Notfallaufnahmen von Krankenhäusern in umkämpften Gebieten Daten zu erheben, um den Einfluss von bewaffneten Konflikten auf die Notfallversorgung der Zivilbevölkerung besser einschätzen zu können.

Wissenschaftler haben innerhalb von acht Tagen und Nächten des Januar 2005 alle Einlieferungen in die Notfallaufnahme eines Krankenhauses in Bethlehem und zweier Krankenhäuser in Nablus analysiert. Alle drei Krankenhäuser liegen in der besetzten Westbank. Bei jedem Patienten erhoben sie umfangreiche medizinische aber auch soziodemographische Daten. Besonders interessiert waren die Forscher zu erfahren, wie die Patienten in die Notfallaufnahme gekommen waren und wie lange dies gedauert hatte.

Von den 2.228 Personen, deren Daten in die Untersuchung einflossen, berichteten 394 (18 Prozent), dass sie durch israelische Kontrollpunkte (checkpoints) oder erzwungene Umwege aufgehalten wurden. Zur Aufnahme kamen überproportional oft sehr junge oder ältere Menschen. Über alle Altersgruppen hinweg wurden vor allem jene Patienten stationär aufgenommen, die wegen des bewaffneten Konfliktes verspätet in die Klinik gekommen waren. Dies traf auf 32 Prozent der Patienten zu.

Die Studienautoren vermuten, dass Patienten, die weiter von einem Krankenhaus weg leben, ein höheres Risiko haben, einen Kontrollpunkt passieren zu müssen und oft abgeschreckt werden. Gehen sie dann doch, hat sich ihr Zustand schon deutlich verschlechtert.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2006, Vol. 332, S. 1122-1124