Mammographisches Screening ist mit einer geringen Strahlendosis für die Frau verbunden. Gelegentlich wurden daher Befürchtungen laut in Bezug auf Frauen mit einer genetischen Anfälligkeit für Mammakarzinome, also einer BRCA-Mutation. Mammographisches Screening könnte bei diesen Frauen möglicherweise die Entstehung des Mammakarzinoms begünstigen, so die Befürchtung. In einer Studie sollte daher nun untersucht werden, ob ionisierende Strahlung durch mammographisches Screening bei BRCA 1- und BRCA 2-Mutations-Trägerinnen zu einer höheren Gefährdung führt.

Wissenschaftler der University of Toronto, Kanada, gewannen 3.200 Frauen für diese Studie. Bei 1.600 von ihnen war zwischen 1952 und 2005 ein Mammakarzinom diagnostiziert worden. Die anderen 1.600 Frauen waren gleichaltrig, aber gesund, und dienten so als Kontrollgruppe. 41 Prozent der späteren Mammakarzinompatienten und 46 Prozent der Frauen in der Kontrollgruppe hatten sich im Jahr vor Beginn der Studie einer Mammographie unterzogen. Das Durchschnittsalter bei der ersten Mammographie lag in den beiden Gruppen bei 35,3 beziehungsweise 35,5 Jahren.

Als man die Frauen in der Mammakarzinomgruppe, die an einer BRCA-Mutation litten, mit den Frauen ohne eine solche Mutation verglich und beide wiederum mit der Gruppe der gesunden Kontrollpatientinnen zeigte sich sehr beruhigend: Die Rate der mammographischen Untersuchungen unterschied sich in den Gruppen nicht signifikant voneinander. Das galt auch, nachdem man Störfaktoren wie Kinderzahl, Einnahme oraler Kontrazeptiva, ethnischen Ursprung oder Oophorektomien herausgerechnet hatte.

Damit ist nach Ansicht der Studienleiter klar gezeigt, dass mammographisches Screening keinerlei Einfluss auf die Entstehung eines Mammakarzinoms bei Trägerinnen einer BRCA-Mutation hat. Zumindest dies darf also kein Grund sein, von einem mammographischen Screening abzuraten.

MEDICA.de; Quelle: Lancet Oncology Early Online