Strategien gegen multiresistente Erreger

Foto: Bakterien

Durch Mutationen sind Bakterien
entstanden, deren Enzyme
ganze Gruppen von Antibiotika
außer Kraft setzen;
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Kerbusch

„Neben der Suche nach neuen Wirkstoffen sind der rationale Einsatz von Antibiotika, um den Selektionsdruck zu vermindern, sowie stringente Hygiene-, Isolations- und Sanierungsmaßahmen wichtige Strategien gegen die zunehmende Resistenzentwicklung“, erklärt Professor Mathias Pletz von UKJ.

Künftig sollen Intensivmediziner, Chirurgen und Ärzte aller anderen Fachdisziplinen am Jenaer Uniklinikum bei der Behandlung von Patienten mit Infektionen rund um die Uhr fachlichen Rat erfragen können. „Gemeinsam mit den Mikrobiologen und der Klinikumsapotheke wollen wir für jede Station Erreger- und Resistenzstatistiken sowie den Antibiotikaverbrauch erfassen und die Verordnungsstrategien im Sinne eines antibiotic stewardship überarbeiten, wo das notwendig ist“, sagt Pletz.

Einen Schwerpunkt in der Forschung der Gruppe stellen die β-Laktamasen mit erweitertem Spektrum dar, kurz ESBL, die eine besondere Rolle bei der Entwicklung von Antibiotika-Resistenzen spielen. Diese von vielen Bakterien produzierten Enzyme können Bestandteile der β-Lactam-Antibiotika, Penicilline und Cephalosporine, spalten und diese so unwirksam machen. Durch Mutationen sind Bakterien entstanden, deren Enzyme gleich ganze Gruppen von Antibiotika außer Kraft setzen – fatalerweise in Bakteriengattungen wie Kolibakterien oder Klebsiellen, die auch in der natürlichen Darmflora vorkommen und sich somit schnell ausbreiten können.

Die Wissenschaftler der Arbeitsgruppe arbeiten an einem molekularbiologischen Nachweisverfahren, das diese multiresistenten Bakterien schnell und genau direkt in Patientenproben an ihrem Bauplan für die Enzyme identifizieren kann. Gemeinsam mit der Forschergruppe für Klinische Sepsisforschung von Professor Frank Brunkhorst soll die Frage beantwortet werden, wie sich die Antibiotikagabe bei Krankenhausinfektionen auf in der Darmflora vorhandene multiresistente Bakterien auswirkt. Eine wichtige Augfgabe der Gruppe ist es, den Einfluss einer neuen Impfung auf die Resistenzraten bei Pneumokokken, den wichtigsten Erreger der Lungenentzündung, zu untersuchen. „Dabei interessieren uns die Mechanismen der Selektion und Resistenzentwicklung“, so Pletz, „die es dann gezielt zu umgehen gilt.“

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Jena (UKJ)