Eine bakterielle Vaginosis liegt dann vor, wenn die Zahl der Lactobazillen in der Vagina abnimmt und zugleich die Zahl gram-negativer Bakterien und Anaerobier zunimmt. Die Prävalenz der bakteriellen Vaginosis ist schwer abzuschätzen. Bis zu 60 Prozent der Frauen, die eine Ambulanz für Geschlechtskrankheiten aufsuchen, sollen daran leiden. Noch immer weiß man relativ wenig über diese Krankheit. Zum Beispiel gibt es Hinweise, dass eine bakterielle Vaginosis die Risiken einer HIV-Infektion oder einer postoperativen Infektion erhöht.

In einer Studie sollte diese Erkrankung nun besser untersucht werden. 3.614 Frauen im Alter zwischen 15 und 44 Jahren nahmen daran teil. Ein Jahr lang wurden sie einmal im Quartal auf Vorliegen einer bakteriellen Vaginosis untersucht. Außerdem erhob man den Stresslevel, der mit Hilfe eines speziellen Tests (Perceived Stress Scale) gemessen wurde. Die Scala reicht von 1,00 (kein Stress) bis zu 5,00 (extremer Stress).

Der durchschnittliche Stresswert für alle Frauen lag bei 2,68. Jene Frauen, bei denen eine bakterielle Vaginosis nachgewiesen werden konnte, hatten einen Stresslevel von durchschnittlich 2,71. Frauen ohne bakterielle Vaginosis dagegen kamen auf einen durchschnittlichen Stresslevel von nur 2,63. Dieser Unterschied war statistisch signifikant. Daraus kann man errechnen: Für jeden zusätzlichen Punkt mehr auf der Stressskala erhöht sich das Risiko einer bakteriellen Vaginosis um den Faktor 1,1.

Dieser Faktor ist nach Einschätzung der Studienautoren zwar relativ klein, aber groß genug, um bedeutungsvoll zu sein. Insgesamt ist Stress enger an die Inzidenz der bakteriellen Vaginosis gebunden als an deren Prävalenz. Das bedeutet, dass Stress eher Bedeutung für das Entstehen der bakteriellen Vaginosis als für deren Aufrechterhaltung hat.

MEDICA.de; Quelle: American Journal of Obstetrics and Gynecology (AJOG) 2006, Vol. 194, S. 381-386