Mehrfach hat man einen Zusammenhang nachweisen können zwischen Stress am Arbeitsplatz und einer koronaren Herzkrankheit (KHK). Die biologischen und pathophysiologischen Mechanismen, die dahinter stehen, sind aber noch nicht endgültig aufgeklärt. Möglicherweise aktiviert Stress neuroendokrine Hormone, die das autonome Nervensystem betreffen. Denkbar wäre aber auch, dass Stress einfach ungesundes Verhalten wie Rauchen oder mangelhafte Bewegung fördert.

Rund um diese Fragen bringt jetzt die Whitehall-II-Studie neue Daten. An dieser Langzeitstudie beteiligen sich seit 1985 in London 10.308 Angestellte des öffentlichen Dienstes. Ziel dieser Studie ist unter anderem, den Zusammenhang zwischen Stress am Arbeitsplatz und kardiovaskulären Erkrankungen zu erforschen. Dabei sammelten die Wissenschaftler nicht nur Daten zur Arbeitsbelastung der Probanden, sondern auch Informationen über deren Gesundheitsverhalten und kardiologische Parameter wie Herzfrequenz oder Kortisolspiegel.

Auch diese Studie zeigte einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Stress am Arbeitsplatz und dem Risiko einer KHK. Neu ist, dass diese Assoziation offenbar bei Angestellten unter 50 Jahren am größten ist. Außerdem neigen gestresste Angestellte dazu, sich schlechter zu ernähren und weniger zu bewegen. Auch kardiologische Parameter wie etwa die Variabilität der Herzfrequenz sind bei Angestellten mit starker beruflicher Belastung schlechter als bei weniger gestressten Mitarbeitern.

Natürlich stellt sich die Frage, ob der Zusammenhang zwischen Stress und KHK nun ein direkter ist oder indirekt über die anderen Risikofaktoren wie Rauchen, wenig Bewegung und andere Einflüsse vermittelt wird. Die Wissenschaftler rechneten aus, dass der direkte Einfluss des Stresses auf Herz und Kreislauf vermutlich doppelt so hoch ist wie der indirekte Einfluss über schlechtes Gesundheitsverhalten.

MEDICA.de; Quelle: European Heart Journal 2008; DOI:10.1093/eurheartj/ehm584