In den Wirtschaftswissenschaften hat sich in den letzten Jahren die Erkenntnis durchgesetzt, dass Stress eine wichtige Quelle ökonomischer Kosten sein kann. Solche Kosten manifestieren sich in Betrieben in Produktivitätsverlusten, verursacht durch hohe stressbedingte Abwesenheitsraten und durch häufige Arbeitsplatzwechsel. Auf der volkswirtschaftlichen Ebene entstehen zusätzliche Kosten dadurch, dass Stress eine wesentliche (Mit)-ursache zahlreicher Krankheitsbilder ist.

Eine Studie ergab, dass Pendeln ein wichtiger Erklärungsgrund für das subjektive Empfinden von Stress ist. Die Studie bestätigt einige Ergebnisse der bisherigen Forschung zu dieser Thematik. So wächst der Stress mit der Pendeldistanz und der Verkehrsdichte. Die Studie fördert aber auch neue und überraschende Ergebnisse zu Tage. So konnte ein signifikanter Einfluss des Verkehrsmittels auf das Stressempfinden nicht nachgewiesen werden. Auch die persönliche Erfahrung mit der Pendelroute hat offensichtlich keinen Einfluss auf das Stressempfinden. Die Art der Nutzung der Pendelzeit beeinflusst das Stressniveau signifikant.

Beschäftigte, die in einer Partnerschaft leben, fühlen sich weniger gestresst. Dies gilt auch für Personen, die regelmäßig an Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen. Das Stressempfinden nimmt mit der Arbeitszeit zu. Beschäftigte mit Führungsfunktionen im Betrieb und Beschäftigte, die einen neuen Arbeitsplatz oder einen neuen Wohnsitz suchen, weisen ein höheres Stressniveau auf.

Die Studie zeigt insgesamt, dass Pendeln bei der Erklärung von beruflichem Stress eine wichtige Rolle spielt. Stress und die daraus folgenden Kosten stellen daher eine wichtige Kategorie von Pendelkosten dar und sollten daher bei standort- und verkehrspolitischen Entscheidungen berücksichtigt werden.

MEDICA.de; Quelle: Universität Innsbruck