Stromreize können die Sehleistung verbessern

Foto: Gesichtsfeldeinschränkungen

Gesichtsfeldveränderungen eines
Patienten mit traumatischer
Optikusneuropathie vor und nach
der Stimulation mit Wechselstrom;
© Universität Magdeburg

Schädigungen des Sehnervs sind häufig die Folge eines Schlaganfalls in der Netzhaut, eines Schädelhirntraumas oder von Hirntumoren. Die Betroffenen können nur noch einen Teil ihrer Umwelt sehen.

Früher waren Ärzte davon überzeugt, dass derartige Schäden im Zentralnervensystem unumkehrbar sind. Neurowissenschaftliche Untersuchungen der vergangenen drei Jahrzehnte zeigten jedoch, dass das Gehirn Schäden oftmals noch kompensieren kann. Ein Ziel der aktuellen neurowissenschaftlichen Forschung ist es, geeignete Verfahren zu entwickeln, die das Gehirn bei seiner Kompensationsfähigkeit unterstützen.

Die neue Studie zeigt nun, dass Patienten mit einer Teilblindheit aufgrund einer Sehnervschädigung von einer nicht-invasiven Wechselstrom-Therapie profitieren können. Bei dieser Therapie - von den Forschern als „alternating current stimulation“ (ACS) bezeichnet - werden Elektroden vorübergehend oberhalb der Augenbrauen und neben den Nasenflügeln auf die Haut aufgeklebt. Über die Elektroden erhält der Patient abwechselnd schwache Wechselstromreize.

In der Studie wurden 42 Patienten mit Gesichtsfeldeinschränkungen nach chronischen Sehnervschädigungen aufgenommen und zufällig entweder der rtACS-Behandlungsgruppe oder einer Placebogruppe zugeordnet. Beide Gruppen wurden in einen Zeitraum von zehn Tagen (für jeweils etwa 30 bis 40 Minuten am Tag) behandelt, wobei die Placebogruppe nur scheinbar eine rtACS-Behandlung bekam. Auch die Studienmitarbeiter, die die Diagnostik vor und nach der Behandlung durchführten, wurden nicht über die Gruppenzugehörigkeit in Kenntnis gesetzt.

Wie das Team um Professor Bernhard Sabel von der Otto-von-Guericke-Universität berichtet, führte die ACS-Therapie durchschnittlich zu einer etwa 40-prozentigen Verbesserung des erblindeten Bereiches im Vergleich zum noch unbehandelten Erstbefund. Bei den Patienten aus der Placebogruppe, die nur zum Schein eine ACS-Therapie erhielten, war dagegen keine Verringerung des Gesichtsfeldausfalls zu erkennen.

„Unsere Resultate zeigen, dass das adulte visuelle System sehr viel modizifierbarer als bisher angenommen ist“, schlussfolgert Sabel. Teilschädigungen des visuellen Systems nach Sehnervverletzungen könnten durch eine nicht-invasive Wechselstromstimulation zu neuroplastischen Veränderungen angeregt werden, die sich funktionell in verbesserten Gesichtsfeldern messen lassen.

MEDICA.de; Quelle: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg