Studie über Schulverpflegung in der EU

21.07.2014
Foto: Schulkinder, die gemeinsam essen

Die Gemeinsame Forschungsstelle (JRC) der Europäischen Kommission veröffentlicht den ersten umfassenden Bericht über Programme zur Schulverpflegung in Europa; ©Monkeybusiness/ panthermedia.net

Im Rahmen der Anstrengungen der Europäischen Kommission, Adipositas bei Kindern zu reduzieren, veröffentlichte die Gemeinsame Forschungsstelle (JRC) der Kommission den ersten umfassenden Bericht über Programme zur Schulverpflegung in Europa.

Er zeigt, dass die europäischen Staaten den wesentlichen Einfluss erkennen, den die Schulverpflegung auf Gesundheit, Entwicklung und schulische Leistung der Kinder hat, und entsprechend handeln. Sämtliche untersuchte Staaten (die EU-28 sowie Norwegen und die Schweiz) haben Leitlinien für die Schulverpflegung, wenngleich diese beträchtlich voneinander abweichen. Die staatlichen Maßnahmen zur Förderung gesunder Ernährung an Schulen reichen von Empfehlungen auf freiwilliger Basis, etwa für Menüs und Portionsgrößen, bis hin zu völligen Verboten, die unter anderem Werbung, Verkaufsautomaten und zuckerhaltige Getränke betreffen.

Der für Gesundheitsfragen zuständige EU-Kommissar, Tonio Borg, bemerkte: „Nahezu eines von drei Kindern in Europa ist übergewichtig oder adipös und trägt somit das Risiko, an einer Reihe vermeidbarer Leiden zu erkranken, zum Beispiel an Typ-2-Diabetes. Schulen sind wichtige Partner bei unseren Bemühungen, gesunde Ernährungsgewohnheiten bei Kindern zu fördern, damit sie bei guter Gesundheit heranwachsen, gute schulische Leistungen erbringen und ihr Entwicklungspotenzial voll ausschöpfen können. Die erste Untersuchung der Programme zur Schulverpflegung ist daher ein wichtiger Beitrag im Kampf gegen Adipositas.“

Máire Geoghegan-Quinn, EU-Kommissarin für Forschung, Innovation und Wissenschaft, fügte hinzu: „Dieser Bericht bietet europäischen Entscheidungsträgern, Pädagogen und Wissenschaftlern eine gute Grundlage für die Untersuchung möglicher Zusammenhänge zwischen Programmen zur Schulverpflegung und öffentlicher Gesundheit und sie können damit bewerten, wie effizient sie bei der Förderung gesunder Essgewohnheiten agieren.“

Der Bericht befasst sich mit den aktuellsten nationalen Strategiepapieren über Standards und Richtlinien zur Verpflegung in Grundschulen und weiterführenden Schulen. Er beschreibt diese Strategien anhand einheitlicher Kriterien wie zugelassene oder verbotene Lebensmittel, Nährstoffgehalt, Speiseräume, Gastronomie-Dienstleister und Einschränkungen bei Werbung.

Desweiteren gibt der Bericht einen Überblick über die Regulierungssituation: ein wichtiger Schritt bei der Bewertung der Auswirkung solcher Programme auf Adipositas bei Kindern.

Mehr als 90 % der untersuchten Programme enthalten auf Lebensmitteln basierende Standards und sichern somit ausgewogene Menüs. Ferner enthalten sie Vorgaben für die Portionsgröße (76 %) und den Nährwert des Mittagessens (65 %).

Einschränkungen oder Empfehlungen für die Verfügbarkeit von Getränken sind sehr verbreitet (65–82 %), wobei die Mehrheit (kostenlosen) Zugang zu Trinkwasser fördert, insbesondere (zuckerhaltige) Erfrischungsgetränke jedoch einschränkt oder verbietet.

Verbesserte Ernährung von Kindern, Erziehung zu gesunden Ess- und Lebensgewohnheiten sowie die Verringerung oder Vermeidung von Adipositas in der Kindheit sind die vorrangigen allgemeinen Ziele der meisten Staaten.

Süßigkeiten und salzige Knabbereien sind in den meisten Programmen nur eingeschränkt erlaubt; die Bandbreite reicht hier von gelegentlichen Ausnahmen bis hin zum Komplettverbot.

Eine Messung der Resultate des Programms zur Schulverpflegung ist bei 59 % der Programme gefordert oder empfohlen. Die am häufigsten zu messenden Resultate beziehen sich auf die Versorgung mit Essen an Schulen und den Prozentsatz der Kinder, die eine Mahlzeit an der Schule einnehmen.

Energie- und Fettaufnahme sind die Kenngrößen, die am häufigsten in den auf Energie und Nährstoffe ausgerichteten Standards für Mittagessen berücksichtigt werden (65 % respektive 56 % aller Programme).

Bei Verkaufsautomaten besteht bei der Hälfte aller untersuchten Staaten eine Einschränkung. Das Spektrum der Maßnahmen reicht von jenen, die empfehlen, in Verkaufsautomaten gesündere Lebensmittel anzubieten, über solche, bei denen ungesunde Produkte aus den Automaten entfernt werden, bis zu solchen, die gar keine Verkaufsautomaten auf dem Schulgelände zulassen.

Einschränkungen bei der Werbung für ungesunde Lebensmittel sind ebenso üblich.

MEDICA.de; Quelle: European Commission, Joint Research Centre (JRC)