Jedes Jahr werden weltweit Tausende von Menschen in Notfallambulanzen wegen einer Kopfverletzung behandelt. Eingesetzt wird dabei in der Regel auch Mannitol. Dies ist ein osmotisches Diuretikum, das den intrakraniellen Druck verringern und das Befinden des Patienten verbessern soll.

Zwischen 2001 und 2004 hat ein brasilianisches Forscherteam um den Neurochirurgen Julio Cruz drei Studien publiziert, in denen sie hohe Dosen von Mannitol mit den Standarddosierungen verglichen. Dies waren die ersten Studien, die sich diesem Thema widmeten.

Hohe Dosen, so das Ergebnis der drei Studien, reduzierten die Rate der Todesfälle sechs Monate nach der Kopfverletzung deutlich. Auch die Rate dauerhafter Schäden sollte durch hohe Mannitol-Dosen angeblich verringert werden können. Selbst eine Cochrane Review kam zu dem Ergebnis, dass hohe Dosen von Mannitol den herkömmlichen Dosierungen bei der Behandlung komatöser Patienten offenbar überlegen sind. Allerdings waren schon damals einige Kommentatoren skeptisch und forderten größere Studien.

Diese Skepsis war wohl gerechtfertigt, wie sich jetzt herausstellte. Im „British Medical Journal“ beschreiben Dr. Ian Roberts, coordinating editor der “Cochrane Injuries Group” und seine Kollegen ihre vergeblichen Versuche, die Daten aus den Studien von Cruz zu verifizieren.

Die Behauptungen von Julio Cruz lassen sich auch deshalb nur schwer nachweisen, weil Cruz 2005 Selbstmord verübte. Außerdem konnte niemand genau sagen, woher die Patienten für Cruz’ Studie kamen. Cruz hatte zum Beispiel angegeben, mit der „Federal University of Sao Paulo“ zusammen zu arbeiten. Allerdings wusste diese Universität auf Anfrage gar nichts davon. Ob die Studien also tatsächlich stattfanden, ist nicht klar.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2007, Vol. 334, S. 392-394