Studienkultur: Chirurgische Studien bedeuten mehr Sicherheit im OP

Ob eine chirurgische Naht besser per Hand oder mit einem Klammergerät erfolgt, lässt sich nicht nach dem "Trial-and-Error"-Prinzip feststellen. Welche Methode die Sicherheit des Patienten am besten garantiert, sollte auch nicht nur auf der Erfahrung des Operateurs fußen. Kontrollierte Studien sind das Mittel der Wahl, um sowohl alte bewährte sowie neue Techniken im OP zu beurteilen.

06/01/2014

 
Foto: Ärzteteam

Auch wenn ein Einzelner die Idee hatte - erfolgreich kann eine Studie immer nur im Team durchgeführt werden; ©panthermedia.net/ Wavebreakmedia ltd

Über Jahre hinweg wurde von Chirurgen geklagt, dass viele Studien versandeten, weil zum Beispiel nicht über die Möglichkeit einer Teilnahme informiert wurde oder Informationen nicht frei zugänglich waren. Aus diesem Grund gibt es seit einigen Jahren Bestrebungen, besser über aktuelle Studien zu informieren sowie für die Einhaltung eines Qualitätsstandards zu sorgen.

Eine engmaschige Vernetzung ist notwendig

Aktiv an diesem Vorhaben arbeiten gemeinsam das Studienzentrum der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (SDGC) sowie CHIR-Net, die in Zusammenarbeit mit universitären Einrichtungen, Kliniken und Praxen die Planung, Durchführung und Auswertung von multizentrischen Studien zu chirurgischen Techniken nach eigenen Aussagen als ihr Hauptziel ansehen. Des Weiteren soll eine Infrastruktur für chirurgische Studien geschaffen werden. Privatdozent Dr. Jens Neudecker von CHIR-Net bestätigt MEDICA.de, dass die Nachfrage von Kollegen nach Forschungsvorhaben steigt: "Es gibt viele gute Ideen, doch es bedarf eines guten Netzwerks, um das Forschungsvorhaben umzusetzen. Aus diesem Grund haben wir regionale Anlaufstellen etabliert. Derzeit können wir auf insgesamt 27 Studien verweisen, 15 sind abgeschlossen, die anderen 12 rekrutieren derzeit Patienten."
Foto: Ärzte im OP

Welche Operationstechnik ist das bessere Verfahren? Chirurgische Studien müssen sorgfältig durchgeführt werden, da es um Menschenleben geht; © panthermedia.net/ Monkeybusiness Images

Die Ergebnisse geben den Chirurgen Hilfestellung, ob zum Beispiel eine OP-Technik besser ist als die andere. Neudecker erklärt: "Gegenwärtig gibt es eine Diskussion in der Chirurgie, ob mit Antiseptikum versehenes Nahtmaterial gegenüber herkömmlichen Nahtmaterial ohne Antiseptikum zu einer geringeren postoperativen Wundheilungsstörung bei Bauchwunden führt. Hierzu wurde von Seiten des SDGC und des CHIR-Net eine deutschlandweite Multicenterstudie, die PROUD Studie, durchgeführt. Innerhalb von zweieinhalb Jahren wurden mehr als 1200 Patienten rekrutiert und die Daten ausgewertet. Das Studienergebnis wird jetzt auf dem Chirurgenkongress in Berlin vorgestellt. Die Studie konnte die Notwendigkeit eines multicentrischen Studienkonzeptes darlegen. Bislang existiert kaum eine solche Studie, die in so kurzer Zeit, soviele Patienten rekrutiert, eine zeitnahe Auswertung fertigstellt und die Ergebnisse für die Implementierung in den klinischen Alltag veröffentlicht." Natürlich muss die evidenzbasierte Chirurgie auch beim Patienten ankommen – an Daten mangelt es eigentlich nicht: "In den Kliniken werden Daten erhoben, aber es wird kaum eine Datenrecherche durchgeführt. Die Zusammenführung aller Daten muss ausgebaut werden."

Ohne Patienten keine Studie

Ein wichtiger Faktor klinischer Studien sind die Patienten, die sich für eine Studie „zur Verfügung“ stellen. Sie müssen umfassend informiert werden, für welche Studie sie infrage kommen und ob es in ihrem Interesse ist, an einer Studie teilzunehmen. Die Bürger der EU besser über klinische Studien zu informieren hat sich das ECRAN-Projekt (European Communication on Research Awareness Needs) zum Ziel gesetzt. Das Projekt wird von der EU gefördert und erklärt zum Beispiel in einem Videofilm eingängig, warum Studien notwendig sind. Darüber hinaus verweist das Projekt, das in mehreren Sprachen online gegangen ist, auf andere Projekte mit ähnlichen Zielen. Für Ärzte, die Patienten für eine Studie gewinnen möchte, eine Möglichkeit ihre Patienten zu informieren und zu unterstreichen, dass Studien zur Sicherheit - auch im OP - beitragen.

Den Videobeitrag des ECRAN Projekts zum Thema "Klinische Studien" sehen Sie hier:
Video: Unterwegs mit James Lind!

Quelle: ECRAN Projekt
Foto: Simone Ernst; Copyright: B. Frommann

© B. Frommann

Der Artikel wurde geschrieben von Simone Ernst.
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