Styrol ist eine Flüssigkeit, aus der vor allem Kunststoffe hergestellt werden. Bisher war vermutet worden, dass der Stoff für Menschen nicht schädlich ist, da sich bei Versuchen mit Ratten keine Tumore in der Lunge gebildet hatten. Dies scheint allerdings ein Trugschluss gewesen zu sein.

Der Grund dafür, dass die Flüssigkeit für Ratten ungefährlich ist, sind zwei Enzyme aus der Cytochrom P450(cYp)-„Familie“, die den Nagern fehlen. Diese sind aber dafür verantwortlich, dass sich der Stoff in den Zellen des Lungengewebes zu Styroloxid wandelt. Diese Substanz löst offenbar die Tumorbildung aus. Mäuse, die diese beiden Enzyme besitzen, entwickelten hingegen in der Lunge Tumore, nachdem sie Styrol inhaliert hatten.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat in einer experimentellen Forschung nun festgestellt, dass der Stoff auch für den Menschen gefährlich sein könnte. Bei Versuchen gelang es den Forschern die an der Styrol-Umwandlung beteiligten Enzyme auch im menschlichen Lungengewebe mit einer der Maus vergleichbaren Aktivität nachzuweisen. Das tumorauslösende Styroloxid könnte damit auch in der Lunge des Menschen entstehen. "Für die aktuelle Neubewertung der gesundheitlichen Wirkung von Styrol und im Bereich der industriellen Verarbeitung dürften die Forschungsergebnisse des BfR von erheblicher Bedeutung sein", sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.

Die Frage, ob die Enzyme in einer für die Tumorbildung relevanten Menge vorkommen, kann anhand der Daten noch nicht abschließend beantwortet werden.

MEDICA.de; Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung