Die Arbeit der Wissenschaftler an der RWTH Aachen begann damit, die Mechanismen von Diabetes mellitus Typ II zu analysieren. Die Biochemiker nahmen das schwerlösliche Bauchspeicheldrüsenhormon IAPP, das sich um den Zuckerstoffwechsel kümmert, unter die Lupe und entwarfen eine neue und leicht veränderte Form. Das neu designte Molekül soll das natürliche Hormon nachahmen und trägt deshalb den Namen "IAPP-Mimetikum".

Das neue Molekül wirkt in zweifacher Hinsicht: Es ist einerseits biologisch aktiv wie natürliches IAPP und gleichzeitig viel löslicher, was eine medizinische Anwendung erlauben würde. Andererseits tritt es mit dem körpereigenen IAPP in Interaktion. Dadurch wird ein Effekt verhindert, der bei 95 Prozent aller Diabetiker eintritt: Ihre nativen IAPP Moleküle ballen sich zusammen und entwickeln so Konglomerate, welche die Insulin produzierenden Zellen der Bauspeicheldrüse zerstören.

"Noch ist es zu früh für Aussagen über mögliche Medikamente. Unser Stoff wird sicher nicht die Einnahme von Insulin ersetzen können, aber möglicherweise mit ihm in Kombination angewendet Krankheitssymptome abschwächen und zu einer effektiveren Behandlung des Diabetes beitragen können", erläutert Dr. Aphrodite Kapurniotu.

Bei gesunden Menschen sorgt das vom Körper produzierte Insulin zusammen mit IAPP und Glukagon dafür, dass der Blutzuckerspiegel normal bleibt. Diabetiker, die mit Insulin behandelt werden, leiden oft unter hohen Schwankungen des Blutzuckerspiegels und können das Risiko, eine Über- oder Unterzuckerung zu erleiden, bisher nur wenig beeinflussen. Das neu entworfene und dem natürlichen Stoff sehr ähnliche "IAPP-Mimetikum" ist so konfiguriert, dass es die Funktion des nativen IAPP übernehmen könnte und somit die Regulation des Blutzuckerspiegels übernähme.

MEDICA.de; Quelle: Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen