Tödlicher Verkehrsstau in der Nervenzelle

Die Wobbler-Maus (Mitte) kann sich
am Gitter nicht festhalten, die Mäuse
mit Vps54-Gen schon; © Uni Bielefeld

Die Forscher fanden heraus, dass bei der so genannten "Wobbler-Maus", die an einem fortschreitenden Verlust von Nervenzellen leidet, ein Gen verändert ist, das eine wichtige Rolle bei Transport und Verteilung von Stoffen in der Zelle spielt. Der Defekt lässt sich durch die Einführung eines voll funktionsfähigen Gens aber heilen.

Schon seit Jahrzehnten kennen Forscher die Labormaus-Mutante Wobbler als Modell für die Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) beim Menschen. "Die Tiere leiden an einer fortschreitenden, von Zittern begleiteten Muskellähmung", erklärt dazu Prof. Harald Jockusch aus Bielefeld.

Das Bielefelder Forscherteam konnte zeigen, dass ein Defekt in einem Gen namens Vps54 ist die Ursache für den Verlust der Nervenzellen bei der Wobbler-Maus ist. "Im Inneren unserer Körperzellen spielt sich ein reger Containertransport ab", erklärt Dr. Thomas Schmitt-John dazu weiter. "Die Container sind mikroskopisch kleine Membranbläschen." Bei der Vielzahl verschiedener Transporte an verschiedene Orte müssen Ladung, Transportrichtung und Zieladresse genau bestimmt sein. Die Zielfindung wird durch passgenaue Erkennungsmoleküle vermittelt, die "Vesicular protein sorting factors" (Vps).

Der Bauplan für eines dieser Moleküle ist im Gen Vps54 gespeichert. Ist es defekt, können die Vesikel ihr Ziel nicht finden. Warum der resultierende Verkehrsstau innerhalb der Zelle zu einer Nervenschädigung führt, ist noch nicht vollständig verstanden. "Vermutlich sind Nervenzellen gegen Störungen der Stoffverteilung ganz besonders empfindlich, weil sie ständig Signalstoffe austauschen", erläutert Projektpartner Dr. Andreas Lengeling.

Was die Forscher hoffen lässt: "Wenn man Wobblern ein funktionierendes Vps54-Gen einführt", berichtet Lengeling, "werden sie von ihrer Krankheit geheilt. Für den Menschen könnten die beschriebenen Fortschritte in der Grundlagenforschung die Möglichkeit neuer Therapieansätze bringen.“

MEDICA.de; Quelle: Universität Bielefeld