T-Zellen als Serienkiller

Foto: Lebendes Gewebe aus der Gehirnrinde von Mäusen

Die T-Zellen führen dazu, dass
innerhalb von sechs Stunden
zahlreiche Nervenzellen absterben;
© Uni Würzburg/ Heinz Wiendl

Entzündungen im zentralen Nervensystem können von Viren oder vom Immunsystem ausgelöst werden; letzteres ist zum Beispiel bei der Multiplen Sklerose der Fall. Drastisch sind die Folgen: Es sterben diejenigen Zellen, die eine isolierende Hülle um die Nervenfasern herum aufbauen und intakt halten. Die Hüllen gehen ebenso verloren, und oft sterben schließlich auch die Nervenzellen selbst.

"Bei Multipler Sklerose zum Beispiel nimmt man an, dass nicht nur der Verlust der Myelinhüllen, sondern vor allem der Tod der Nervenzellen entscheidend für die bleibenden Behinderungen ist, mit denen viele Patienten zu kämpfen haben", sagt Professor Heinz Wiendl von der Neurologischen Klinik der Universität Würzburg.

Zwei Arbeitsgruppen haben nun zeitgleich erstmals beschrieben, dass bestimmte T-Zellen des Immunsystems nicht nur die myelinbildenden Zellen direkt beeinträchtigen, sondern auch "Kollateralschäden" bei Nervenzellen oder deren Fortsätzen hervorrufen.

Wiendls Team aus der Neurologie der Universität Würzburg ist das in Hirngewebekulturen gelungen: T-Zellen, die ausschließlich eine bestimmte Struktur auf der Oberfläche der myelinbildenden Zellen attackieren, verursachten innerhalb weniger Stunden auch einen signifikanten Untergang von Nervenzellen. Wie dieser indirekte Effekt zu Stande kommen könnte, erklärt der Würzburger Forscher Sven Meuth: "Möglicherweise setzen die T-Zellen lösliche Faktoren frei, wie Perforin oder Granzym-B, die dann zu den Nervenzellen wandern und sie schädigen."

Geradezu wie Serienkiller gehen die aggressiven T-Zellen dabei vor: "Eine einzige davon kann bis zu 30 myelinbildende Zellen und gleichzeitig bis zu zehn Nervenzellen töten", sagt Heinz Wiendl.

MEDICA.de; Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg