TAVI: International konsentierte Empfehlungen sind zwingend einzuhalten

10.12.2014
Foto: Herz-Grafik

Für die Aortenklappenimplantation gelten für die deutschen Herzchirurgen nach wie vor die internationalen Leitlinien; © panthermedia.net/ peppi

Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) hat einen Kommentar zu der Publikation „Qualitätskriterien zur Durchführung der transvaskulären Aortenklappenimplantation“ veröffentlicht, in dem einige von den Kardiologen vorgeschlagene Aspekte mit Blick auf die Patientensicherheit abgelehnt werden.

Anfang Oktober hatte die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) ein Positionspapier „Qualitätskriterien zur Durchführung der transvaskulären Aortenklappenimplantation“ publiziert. In dieser Publikation werden explizit abweichende Standpunkte zu Studien und den diversen medizinischen Leitlinien formuliert, die von kardiologischen und herzchirurgischen Fachgesellschaften aus aller Welt konsentiert worden waren. Die DGTHG hat nun einen differenzierten Kommentar zu diesem monodisziplinären Papier veröffentlicht.

Konkret gilt für die Herzchirurgen unverändert die höchstmögliche Patientensicherheit auf der Basis verlässlicher Register- und Studienergebnisse als Richtschnur für medizinische Entscheidungen. „Die Leitlinien sind im Hinblick darauf nach wie vor aktuell. Wir können keinen einzigen medizinischen Grund erkennen, warum in Deutschland bei der Behandlung der Patienten von den weltweit geltenden Leitlinienvorgaben abgerückt werden sollte“, begründet DGTHG-Präsident Prof. Jochen Cremer die Position der Herzchirurgen.

Die vor kurzem publizierten 1-Jahres-Ergebnisse des weltweit größten Registers zur Behandlung von erworbenen Aortenklappenerkrankungen, dem Deutschen Aortenklappenregister (www.aortenklappenregister.de), hatten auf Basis von 13.680 Patienten ergeben, dass im Risiko-adjustierten Vergleich die Sterblichkeit nach konventionellem Aortenklappenersatz gegenüber der nach kathetergestützter Aortenklappenimplantation in fast allen Risikogruppen geringer ist. Lediglich in der Patientengruppe mit den höchsten Risikoprofilen (log. EuroSCORE >30, German AV-Score >10 Prozent) ist eine Annäherung der Ergebnisse nach TAVI zu denen des konventionell chirurgischen Aortenklappeneingriffs festzustellen. Valide längerfristige Ergebnisse zu verschiedenen Aspekten und auch der Haltbarkeit der verwendeten TAVI-Prothesen fehlen noch. „Vor diesem Hintergrund ist die in dem DGK-Positionspapier angedachte Ausweitung dieser Behandlungsform auf Patienten mit mittlerem Risiko medizinisch derzeit nicht begründbar. Hier müssen weitere Studien und Registerergebnisse abgewartet werden, bevor wir verantwortungsvoll darüber sprechen können, diese Behandlung auf weitere Patienten auszuweiten“, fasst Cremer die Position der DGTHG zu dieser Frage zusammen.

Auch sehen sämtliche interdisziplinären medizinischen Leitlinien und Konsensus-Empfehlungen vor, dass TAVI-Eingriffe nur an Standorten durchgeführt werden sollen, an denen sowohl eine entsprechend ausgestattete Fachabteilung für Kardiologie als auch eine vollausgestattete Fachabteilung für Herzchirurgie vorhanden ist. Eine Vorgabe, die aus Sicht der DGTHG zwingend erforderlich ist. Denn bei dieser Therapie kommt es in einzelnen Fällen zu schweren Komplikationen, die einen Abbruch der kathetergestützten Aortenklappenimplantation und einen sofortigen herzmedizinischen Notfalleingriff mit Öffnung des Brustkorbs und Anschluss an eine Herz-Lungen-Maschine notwendig machen. „Dass der Herzchirurg sein gesamtes Können zur Rettung des Patienten dann wie von der DGK vorgeschlagen außerhalb eines vollausgestatteten herzchirurgischen Operationssaals einbringen kann, ist weltfremd. Auch die professionelle und kontinuierliche Nachbetreuung von diesen herzchirurgisch und kardiologisch behandelten Patienten kann nur eine Institution mit herzchirurgischen und kardiologisch Fachabteilungen leisten“, meint Cremer.

Deshalb habe der DGTHG-Vorstand mit großer Sorge zur Kenntnis genommen, dass im Gegensatz zu den in allen Leitlinien festgehaltenen Empfehlungen in Deutschland im Jahr 2013 an 17 Kliniken TAVI-Prozeduren durchgeführt wurden, ohne dass diese jeweils vor Ort über die beiden zwingend notwendigen Fachabteilungen (Herzchirurgie & Kardiologie) verfügten. Eine Praxis, welche die gesetzlichen Krankenkassen im zunehmenden Maße auch mit gerichtlicher Feststellung nicht finanzieren.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V.