Operation: Tablet-PC unterstützt Leberchirurgen

20.08.2013
Foto: Tablet-PC im OP

Chirurg richtet einen Tablet-Computer aus, um die Planungsdaten während einer Leberoperation zur Verfügung zu stellen und sichtbar zu machen;
© Fraunhofer MEVIS /Fabian Bimmer

Bislang müssen sich Chirurgen vor einer Leber-OP präzise einprägen, wo die wichtigen Blutgefäße im Organ verlaufen und wo sich gegebenenfalls ein Tumor genau befindet, der entfernt werden soll. Eine neue App für Tablet-Computer könnte sie künftig unterstützen und damit helfen, die Komplikationsraten zu senken.

Jetzt kam das System, entwickelt am Fraunhofer MEVIS in Bremen, erstmals in Deutschland zum Einsatz. Am 15. August hat es ein Chirurgenteam der Asklepios Klinik Barmbek in Hamburg bei einer Leber-OP erfolgreich getestet.

Eine Krebs-OP an der Leber dauert meist viele Stunden, denn das Organ ist schwierig zu operieren: Es besitzt ein verästeltes Gefäßsystem, das pro Minute von eineinhalb Litern Blut durchflossen wird. Schneidet ein Chirurg an einer ungünstigen Stelle, droht der Patient viel Blut zu verlieren. Außerdem müssen die Ärzte darauf achten, dass ein für das Überleben des Patienten ausreichendes Organvolumen erhalten bleibt und dieses verbleibende Lebergewebe gut genug durchblutet wird. Dafür müssen sie vor und während des Eingriffs möglichst genau wissen, wo die Blutgefäße im Inneren des Organs verlaufen.

Unterstützung verspricht eine neue Tablet-App. Sie basiert auf einer etablierten MEVIS-Software zur Planung von Leberoperationen, die weltweit in Kliniken verwendet wird und bis heute bei mehr als 6000 Patienten zum Einsatz kam. Ausgehend von 3D-Röntgenbildern wird mithilfe dieser Software für jeden Patienten rekonstruiert, wo genau die Gefäße in der Leber verlaufen. Damit können die Chirurgen vor der OP präzise planen, wie und wo sie ihr Skalpell ansetzen müssen, um einen Tumor effektiv und schonend zu entfernen.

Doch es gibt eine Einschränkung: Meist haben die Ärzte während des Eingriffs kaum die Möglichkeit, einen Blick auf die von der Software errechneten Bilder zu werfen und den OP-Verlauf mit den Planungsdaten zu vergleichen. Manche Chirurgen behelfen sich mit Ausdrucken, die sie mit in den OP-Saal nehmen. „Mit unserer neuen App lassen sich nun sämtliche Planungsdaten direkt am OP-Tisch anzeigen“, sagt Alexander Köhn.

Beim Eingriff in Hamburg nutzten die Mediziner ein weiteres Feature der neuen App: Mit der integrierten Kamera des Tablets konnten sie die Leber während der OP abfilmen. Über das reale Bild blendeten sie dann die Daten der Planungs-Software – ein verästeltes Geflecht aus Gefäßsystemen, dargestellt in verschiedenen Farben. „Mit dieser Funktion können wir quasi in das Organ hineinschauen und die Tumoren sowie das Gefäßsystem sichtbar machen“, sagt Prof. Karl Oldhafer. Das erleichtert den Vergleich, ob der Eingriff so verlaufen war wie vorher geplant. „Durch die neue Technologie erwarten wir eine bessere Umsetzung der computerunterstützen OP-Planung für die Tumorentfernung“, betont Oldhafer. „Die Methode hat großes Potenzial. Man kann sich vorstellen, sie auch bei der Operation anderer Organe einzusetzen, etwa der Bauchspeicheldrüse.“

MEDICA.de; Quelle: Fraunhofer MEVIS - Institut für Bildgestützte Medizin