Telehealthcare: Entlastung durch Vernetzung

Interview mit Florian Lupfer-Kusenberg, Geschäftsführer, Tunstall GmbH

Heutzutage kann jeder von überall auf seine gespeicherten Daten zugreifen und an verschiedenen Endgeräten bearbeiten – Cloud sei Dank. Auch in der Medizin spielen Online-Datenspeicher mittlerweile eine Rolle. Digitale Patientendaten können so zentral gesammelt werden, sodass jede berechtigte Person Zugriff darauf hat und der Patient schnellst- und bestmöglich versorgt werden kann.

04/12/2015

Foto: Lächelnder Mann mit Anzug und braunen Haaren - Florian Lupfer-Kusenberg; Copyright: Tunstall GmbH

Florian Lupfer-Kusenberg; ©Tunstall GmbH

Florian Lupfer-Kusenberg spricht im Interview mit MEDICA.de über das Potential von Telehealthcare zur Entlastung von Ärzten, den Trend zur Vernetzung und patientenfreundliches Design von Telehealth-Geräten für den Hausgebrauch.

Herr Lupfer-Kusenberg, welches Potenzial zur Entlastung von Ärzten und Personal bietet Telehealthcare in Ihren Augen?

Florian Lupfer-Kusenberg: Die Verarbeitung, Nutzung und die Verfügbarkeit der medizinischen Daten durch den Einsatz IT-basierter Technik ist eine große Entlastung für Ärzte und Personal. Sie erhalten regelmäßiges Feedback über den Gesundheitszustand der Patienten und nicht nur bei akuten Erkrankungen. Dadurch werden mögliche Erkrankungen oder Unregelmäßigkeiten frühzeitig erkannt und damit letztendlich eine frühzeitige Intervention ermöglicht. Sämtliche Informationen liegen zentral an einer Stelle und sind jederzeit für berechtigte Personen greifbar. Durch eine bessere Organisation dieser Vernetzung der Daten bleibt auch mehr Zeit für die eigentliche Pflege.

Aber Telehealthcare erleichtert nicht nur den Arbeitsalltag von Ärzten und Pflegenden. Eine Studie des Britischen Gesundheitsministeriums stellte rund 31 Millionen Pfund, ca. 37 Million Euro, für das „WSD“-Programm (Whole System Demonstrator) zur Verfügung, um fundiert evaluieren zu können, was Telehealth und Telecare für chronisch kranke und sozial bedürftige Menschen bedeuten kann. Somit wurde Evidenzmaterial geschaffen, welches zeigt, dass Telehealth und Telecare langfristig die Gesundheit und Unabhängigkeit von Menschen fördern, die Lebensqualität von chronisch kranken und pflegebedürftigen Menschen verbessern und den Kostendruck für das Gesundheitssystem mindert.
Foto: Junger Mann und ältere Frau benutzen gemeinsam ein Tablet; Copyright: panthermedia.net/szefei

Mit mobilen Endgeräten könnten Patienten in Zukunft leichter Ärzten kommunizieren - Telehealthcare entlastet Ärzte und Pflegekräfte enorm, fördert die Selbstständigkeit und Lebensqualität von chronisch kranken Menschen und mindert den Kostendruck im Gesundheitssystem; ©panthermedia.net/ szefei

Vernetzung ist ein aktuelles Stichwort - wie gut lassen sich Krankenhaus- & Praxisinformationssysteme von verschiedenen Herstellern mit mobilen Endgeräten bei Patienten verbinden? Gibt es Standards?

Lupfer-Kusenberg: Für den telemedizinischen Bereich gibt es bisher leider noch keine Standard-Schnittstelle für den Datenaustausch, wie es sie im Bereich der Klinik mit HL7 oder DICOM bereits gibt. Jeder Hersteller bietet daher eine eigene, spezifische Lösung an. Wir wollen aber keine neue Tunstall-Schnittstelle schaffen, sondern bieten für die Interaktion mit unseren Telehealth-Lösungen eine definierte Schnittstelle (API), über die man sehr leicht Daten aus dem System übernehmen beziehungsweise Daten in das System integrieren kann.

Tunstall bietet Geräte wie den Telehealth-Monitor "MyMedic II" an, den Patienten zuhause selbst nutzen sollen, um ihre Symptome zu erfassen. Was muss man hier beim Design berücksichtigen, damit Patienten mit dem Gerät zurechtkommen und Ärzte brauchbare Daten erhalten?

Lupfer-Kusenberg: Der MyMedic II-Monitor ist ein nach der europäischen Medizinprodukte-Richtlinie CE zertifizierter und unter dem ISO 13485-Qualitätsmanagementsystem entwickelter telemedizinischer Patientenmonitor von Tunstall. Der Monitor an sich ist durch sein hochauflösendes Touch-Farbdisplay sowie zusätzlich vorhandene Großtasten sehr bedienerfreundlich, unaufdringlich und besticht durch eine einfache Handhabung. Die gezeigten Informationen lassen sich zudem auf den Benutzer "maßschneidern", das heißt Vitalzeichen- und Symptomabfrage sind auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten abgestimmt. Die Erfahrung zeigt, dass der Nutzer selbst sich im Laufe der Zeit für die gemessenen Daten und damit seinen Gesundheitszustand verstärkt interessiert und sich dadurch viel intensiver mit seiner, in der Regel, chronischen Krankheit beschäftigt. Sollte eine Messung vergessen werden, erinnert der Monitor dezent an die Erfassung der Daten.
Foto: Timo Roth; Copyright: B. Frommann

© B. Frommann

Das Interview wurde geführt von Timo Roth.
MEDICA.de