Test prüft Aggressivität beim Neuroblastom

Ein Test kann vorhersagen ob sich
Neuroblastome zurückbildet oder
nicht ; © NCI Visuals Online

Eine Besonderheit des Neuroblastoms ist, dass sich mindestens zehn Prozent der Tumoren, selbst wenn sie bereits Metastasen gebildet haben, ohne Behandlung spontan zurückbilden. "Neuroblastome haben einen sehr variablen Krankheitsverlauf. In manchen Fällen verschwindet der Tumor von selbst wieder, andere Patienten sterben trotz intensiver Behandlung", erläutert Dr. Frank Westermann aus der Abteilung Tumorgenetik des Deutschen Krebsforschungszentrums.

"Mithilfe unseres Tests wird es möglich sein, das Risiko der einzelnen Patienten genauer abzuschätzen." Damit können die Wissenschaftler nicht nur eine Therapie besser auf den jeweiligen Patienten abstimmen, sondern auch Patienten mit guter Prognose eine unnötige, belastende Chemotherapie ersparen.

In der bislang weltweit größten Neuroblastom-Studie untersuchten die Wissenschaftler das Tumormaterial von insgesamt 251 Patienten. Sie ermittelten in zunächst 77 Tumoren 144 Gene, deren Aktivität charakteristisch für den Verlauf der Erkrankung ist. Einige dieser Gene sind bei einem eher bösartigen Neuroblastom aktiv, während andere in relativ gutartigen Tumoren stärker abgelesen werden.

Mithilfe eines Gen-Chips können die Wissenschaftler nun Tumorproben auf diese Genaktivitäten untersuchen und anschließend den weiteren Verlauf der Erkrankung abschätzen. Die Forscher testeten den Gen-Chip an weiteren 174 Tumorproben. Dabei bestätigte sich die hohe Zuverlässigkeit des genetischen Tests: Die Genauigkeit, mit der der Verlauf der Krankheit vorhergesagt werden konnte, lag bei 93 Prozent. Das ist deutlich mehr als bei den bisher angewendeten Methoden zur Klassifizierung von Neuroblastomen. Zudem konnte der Gentest Patienten herausfiltern, die nach der herkömmlichen Kategorisierung nicht behandelt worden wären, deren Krankheit dann aber doch unerwartet bösartig verlief. Eine rechtzeitige Therapie könnte in solchen Fällen lebensrettend wirken.

MEDICA.de; Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum