Testosteron schützt vor Entzündungskrankheiten

Foto: Männlicher Arm

Pharmazeuten der Universität Jena
analysieren, warum Männer seltener
an Entzündungen leiden;© panther-
media.net/Francesco Cura

„In einer Reihe von Untersuchungen konnten wir zeigen, dass die Zellen, die für die Entstehung von Entzündungen verantwortlich sind, bei Männern und Frauen sehr unterschiedlich reagieren“, erläutert Doktor Carlo Pergola von der Uni Jena.

So produzierten bestimmte Immunzellen von Frauen fast doppelt so viel entzündungsfördernde Substanzen wie die von Männern. Die Forscher sind in der nun vorgelegten Studie den molekularen Ursachen für diese Unterschiede nachgegangen. Dafür haben sie Immunzellen von männlichen und weiblichen Probanden isoliert und im Reagenzglas unter anderem die Aktivität der Enzyme getestet, die für die Produktion der entzündungsfördernden Substanzen verantwortlich sind. Dabei stellten sie fest, dass in männlichen Zellen das Enzym Phospholipase D weitaus geringer aktiv ist als in den weiblichen. „Interessanterweise verringert sich die Enzymaktivität unter dem Einfluss von Testosteron – auch in den weiblichen Immunzellen“, nennt Pergola ein zentrales Ergebnis.

Daraus schließen die Jenaer Pharmazeuten, dass dem männlichen Sexualhormon eine Schlüsselrolle bei der Modulation der Immunantwort zukommt. Dies würde beispielsweise auch das bereits früher beobachtete Phänomen erklären, wonach Testosteron Männer vor Arteriosklerose schützen kann.

Vor allem aber sollten die neuen Erkenntnisse bei der Prüfung neuer Therapien und Arzneimittel für Entzündungserkrankungen berücksichtigt werden. „Nach wie vor ist es in aller Regel so, dass neue Therapien ausschließlich an männlichen Probanden getestet werden.“ Wie die Jenaer Studie jetzt untermauert hat, lassen sich die an männlichen Versuchspersonen gewonnenen Ergebnisse aber nicht direkt auf Frauen übertragen. Im Gegenteil. Wichtig wäre eine jeweils „maßgeschneiderte“ Therapie für Männer und Frauen.

MEDICA.de; Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena