Mit dem Alter sinken auch die Testosteronspiegel beim Mann. Daher wird diskutiert, ob Ärzte diesem oft auch „Wechseljahre des Mannes“ genannten Testosterondefizit durch eine entsprechende Substitution abhelfen sollten um damit den Alterungsprozess des Mannes abzuschwächen.

Eher entmutigend sind nun aber die Daten, die aus den Niederlanden kommen. Dort hat eine Gruppe um Dr. Marielle H. Emmelot-Vonk vom University Medical Center Utrecht 237 gesunde Männer im Alter zwischen 60 und 80 Jahren untersucht. Alle hatten einen Testosteronspiegel von weniger als 13,7 nmol/L. Zwischen Januar 2004 und April 2005 erhielten sie randomisiert jeweils sechs Monate lang zwei Mal täglich entweder 80 Milligramm Testosteron oder Placebo.

Während der Studie erhöhte sich bei den Probanden unter der Testosteronsubstitution die Körpermasse, während die reine Fettmasse weniger wurde. Leider hatte dies aber nicht zur Folge, dass sich auch die funktionelle Mobilität – gemessen anhand des „Stanford Health Assessment Questionnaire“ – oder die Muskelkraft erhöhte. Die kognitive Leistungsfähigkeit der Männer wurde anhand von acht verschiedenen Parametern und Skalen gemessen. Auch diese verbesserte sich durch die Testosterongabe nicht. Ebenso wenig die Knochendichte. Eine leichte Verbesserung zeigte sich bei der Insulinsensitivität. Allerdings sank der Spiegel des HDL-Cholesterins durch die Substitution. Auf die Prostata und ihre Funktion schien die Testosterongabe keinen Einfluss zu haben. Auch in Bezug auf ihre Lebensqualität profitierten die Männer nicht, wenn man ihnen Testosteron statt Placebo gab.

Am Ende der Studie hatten 47,8 Prozent der Männer unter Testosteron ein metabolisches Syndrom. In der Placebogruppe traf dies nur 35,5 Prozent der Probanden. Allerdings war dieser Unterschied statistisch nicht signifikant.

MEDICA.de; Quelle: Journal of the American Medical Association 2008, Vol. 299, S. 39-52