Das Hormon Insulin, dessen Mangel im Körper die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus auslöst, ist entgegen bisherigen Erkenntnissen auch im Gehirn wirksam. Dies belegen aktuelle Studien von Dr. med. Otto Tschritter von der Universität Tübingen. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) zeichnet den Nachwuchsforscher dafür mit dem Theodor-Frerichs-Preis 2007 aus. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert.

Die meisten Zellen benötigen das Hormon Insulin, um Zucker zu verwerten. Nicht jedoch Nervenzellen: sie nutzen ihn auch ohne Insulin als Energieträger. Dennoch tragen Nervenzellen viele Hormonbindungsstellen, so genannte Rezeptoren. Bislang war die Aufgabe dieser reichlich im Gehirn vorhandenen Insulinezeptoren ungeklärt.

Aufgrund von tierexperimentellen Studien vermutete Dr. Tschritter, dass die sie für die Regulierung des Körpergewichts wichtig seien. Denn Mäuse, denen diese Rezeptoren fehlen, sind stark übergewichtig. Eine vergleichbare Störung ist beim Menschen die Insulinresistenz, zu der es beim Typ-2-Diabetes, dem "Alterszucker" kommt: Insulin ist reichlich vorhanden, es wirkt jedoch nicht und der Blutzucker bleibt hoch.

In weiteren Versuchen registrierte der Hormonspezialist die magnetische Aktivität des Gehirns. Es zeigte sich, dass die Gabe von Insulin bei schlanken Menschen Reaktionen im Gehirn auslöst. Bei übergewichtigen Versuchsteilnehmern ist dies jedoch nicht der Fall.

"Dr. Tschritter hat damit als erster gezeigt, dass es beim Menschen eine Insulinresistenz des zentralen Nervensystems gibt und dass diese möglicherweise mit der Entstehung von Übergewicht und Typ-2-Diabetes in Verbindung steht", begründete das Preiskomitee der DGIM die Entscheidung für den Preisträger: "Aus den Ergebnissen lassen sich möglicherweise ganz neuartige therapeutische Strategien zur Behandlung oder Vorbeugung von Übergewicht und Typ-2-Diabetes ableiten."

MEDICA.de; Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften