Therapie gegen diabetische Nervenschädigungen

Eine der Ursachen von Nervenschädigung ist ein Anschwellen der diabetischen Nerven durch vermehrte Wasseraufnahme und eine Störung des Stoffwechsels im Nerven selbst, die zur Minderversorgung führt und Reparaturmechanismen ausschaltet. Nach klassischer Ansicht lässt sich eine diabetische Nervenschädigung durch Medikamente nur verlangsamen, sie schreitet auch bei guter Blutzuckereinstellung unumkehrbar fort.

"Es ist aber tierexperimentell und klinisch eindeutig bewiesen, dass die diabetische Neuropathie auch durch langandauerne Nerveneinengung verursacht sein kann und hier ist ein wirksamer Therapieansatz möglich", erklärt Professor Peter Vogt. "Es kommt an anatomisch vorgegebenen Engstellen, etwa im Verlauf nahe von Knochen oder in Bindegewebesepten, zu einer chronischen Druckschädigung des diabetischen Nervens. Dies ist vergleichbar mit der Einengung der Mittelnerven am Handgelenk - dem Karpaltunnelsyndrom." In solchen Fällen liegt die Therapie nahe: "Mit einer Entlastung des Nerven wird die Ursache der Schädigung beseitigt", betont Professor Vogt.

Aus dieser Erkenntnis entwickelte der Plastische und Nerven-Chirurg Prof. Lee A. Dellon an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore, USA, den Therapieansatz der vorsorglichen Entlastung der Bein-Nerven an drei verschiedenen Engpässen am Wadenbeinköpfchen und Fußrücken sowie hinter dem Innenknöchel Tarsaltunnel. Die Freilegung und Nervenlösung bewirkt meist eine deutliche Schmerzlinderung und Wiederkehr der Schutzsensibilität, so dass Ulzera und Amputationen vermieden werden.

"Bisher wurden in den USA schon mehr als 1000 Patienten operiert, in mehr als 80 Prozent der Fälle besserten sich die oft kaum erträglichen Schmerzen deutlich und die Sensibilität kehrte soweit zurück, dass bei keinem danach ein Ulkus entstand oder eine Amputation notwendig war", erklärt Dr. Andreas Gohritz, Arzt in der MHH-Klinik für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie.

MEDICA.de; Source: Medizinische Hochschule Hannover