Schlaganfall: Therapie im High-Tech-Rettungswagen

17.10.2013
Foto: Krankenwagen

Bei den etwa 260 000 Betroffenen in Deutschland zählt für ein gutes Behandlungsergebnis und möglichst wenig Folgeschäden jede Minute; © panthermedia.net/Roberto Marinello

Der Schlaganfall ist immer ein Notfall. Ausschlaggebend für das Behandlungsergebnis ist die Zeit zwischen Notruf und Behandlungsbeginn. Ein speziell mit CT-Scanner und Labor ausgestatteter Rettungswagen, das Stroke-Einsatz-Mobil (STEMO), besetzt mit einem Spezial-Team, sorgt für eine signifikante zeitliche Verbesserung und damit effizientere Versorgung des Patienten.

Das Stroke-Einsatz-Mobil wurde während der Vergleichsstudie, in die insgesamt 7000 Patienten eingeschlossen wurden, in Berlin über 21 Monate im Wochenwechsel eingesetzt. Dieses Rettungsfahrzeug ist als spezialisierter Notarztwagen entwickelt worden und hat einen CT-Scanner, ein Minilabor und eine telemedizinische Infrastruktur an Bord. Betreut wird es von einem Team aus einem neurologischen Notarzt, einem Rettungsassistenten und einem Röntgenassistenten. „Um gezielt Einsätze zu fahren, bei denen es vor allem um Schlaganfall-Patienten geht, werden bereits bei den eingehenden Notrufen in der Leitstelle schlaganfallspezifische Symptome abgefragt und dann das STEMO losgeschickt“, erläutert Prof. Dr. Heinrich Audebert, Leiter des STEMO-Projekts in Berlin.

Ziel der Besatzung ist es, im Falle eines ischämischen Schlaganfalls, bereits am Einsatzort ein CT des Gehirns und die notwendige Labordiagnostik durchzuführen. Das ist wichtig zur Ursachenklärung. Die Bilddaten werden dann direkt an einen Radiologen im Krankenhaus geschickt. Gleichzeitig werden labordiagnostische Untersuchungen des Blutes im Fahrzeug durchgeführt. Im Falle einer akuten Hirndurchblutungsstörung entscheidet anschließend der Neurologe, ob eine Thrombolyse, also eine medikamentöse Auflösung des Gerinnsels, beim Patienten infrage kommt und mit der Behandlung sofort begonnen werden kann. „Die Ergebnisse der großen Studie sind eindeutig. Wenn das STEMO alarmiert wurde, erhielten mehr Schlaganfall-Patienten eine Lysetherapie, die Behandlungsrate stieg dabei um mehr als die Hälfte von 21 Prozent auf 33 Prozent“, fasst Audebert zusammen. Die Zeit vom Notruf bis zur Behandlung reduzierte sich dabei um 25 auf 52 Minuten.

Aufgrund des eindeutigen Zusammenhangs zwischen früherem Therapiebeginn und Behandlungseffektivität ist davon auszugehen, dass bei vielen Patienten die Schlaganfallfolgen – darunter vor allem bleibende Behinderungen – reduziert werden konnten. „Weitere Studien müssen nun zeigen, ob diese ‚mobile‘ Form der Versorgung von Schlaganfall-Patienten auch in anderen Einsatzregionen erfolgreich eingesetzt werden kann“, erklärt Prof. Dr. Joachim Röther, 2. Vorsitzender der DSG. Ebenfalls zu untersuchen ist, ob dieses Versorgungsmodell unter gesundheitsökonomischen Betrachtungen mehr für Ballungsräume oder auch für ländliche Gebiete geeignet sei, fügt der Hamburger Neurologe hinzu.

MEDICA.de; Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften