Therapieansatz für Schwerstdepressive

Foto: Mann mit Depression

Menschen mit schweren
Depressionen sind ständig
niedergeschlagen, antriebslos,
und empfinden keine Freude mehr;
© panthermedia.net/FranckCamhi

Damit eröffnet sich für Menschen mit schwersten Depressionen, die auf keine andere Therapie ansprechen, eine neue Perspektive. Menschen mit schweren Depressionen sind ständig niedergeschlagen, antriebslos, ziehen sich zurück und empfinden keine Freude mehr. Meist haben sie Angstzustände und den Wunsch, dem eigenen Leben ein Ende zu setzen. Schätzungsweise erleidet jeder Fünfte in Deutschland im Lauf seines Lebens eine Depression – mit Folgen bis hin zum Suizid. Häufig werden die Betroffenen mit Psychotherapien und Medikamenten behandelt. „Bei manchen Patienten hilft jedoch keine Therapie“, sagt Professor Thomas E. Schläpfer von der Bonner Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. „Manche verharren mehr als zehn Jahre im Bett – nicht weil sie müde sind, sondern weil ihnen jeglicher Antrieb fehlt und sie unfähig sind aufzustehen.“

Ein möglicher Ausweg ist die „tiefe Hirnstimulation“, bei der den Patienten Elektroden ins Gehirn eingepflanzt werden. Zielpunkt ist der Nucleus Accumbens - eine Hirnregion, die als Belohnungszentrum bekannt ist. Dort stimuliert ein schwacher elektrischer Strom die Nervenzellen. Solche Hirnschrittmacher werden heute oft von Neurochirurgen und Neurologen zur Behandlung des ständigen Muskelzitterns bei der Parkinson-Krankheit eingesetzt.

Die Bonner Wissenschaftler konnten bereits im Jahr 2009 nachweisen, dass Hirnschrittmacher auch eine Wirkung bei schwerstdepressiven Patienten zeigen. Von zehn Probanden, denen Elektroden in den Nucleus Accumbens implantiert worden waren, zeigte sich bei allen eine Linderung der Symptome. Die Hälfte der Probanden sprach besonders deutlich auf die Reizung durch die Elektroden an.

„In der aktuellen Studie untersuchten wir, ob diese Effekte langfristig erhalten bleiben oder ob die Wirkung der tiefen Hirnstimulation bei den Patienten allmählich abschwächt“, sagt Schläpfer. Bei der Psychotherapie oder Behandlungen mit Medikamenten gibt es immer wieder Rückfälle. Manche der Patienten hatten bis zu 60 vergebliche Behandlungen mit Psychotherapie, Medikamenten und Elektrokrampftherapie hinter sich. „Bei der tiefen Hirnstimulation hält die klinische Verbesserung hingegen über Jahre hinweg konstant an.“ Die Wissenschaftler beobachteten insgesamt elf Patienten über einen Zeitraum von zwei bis fünf Jahren. „Wer anfangs auf die tiefe Hirnstimulation ansprach, spricht auch heute noch darauf an“, so Schläpfer. Ein Patient schied im Lauf der Studie durch einen Suizid aus dem Leben. „Das ist sehr bedauerlich“, sagt er. „Dies lässt sich bei schwerstdepressiven Patienten aber nicht immer verhindern.“

MEDICA.de; Quelle: Universität Bonn