Therapieansatz gegen akutes Versagen

Foto: Leber im Visier

Vergiftungen mit Pilzen und Medi-
kamenten zählen zu den Haupt-
ursachen von Leberversagen;
© panthermedia.net/Sebastian
Kaulitzki

Akutes Leberversagen ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, bei der in kurzer Zeit massiv Leberzellen zugrunde gehen. Es gibt nur wenige Therapiemöglichkeiten, vor allem wenn das Leberversagen schon weit fortgeschritten ist. Als letzter Ausweg gilt dann eine Lebertransplantation.

Für ihren Therapieansatz setzten die Forscher einen vor wenigen Jahren entdeckten körpereigenen Überlebensschalter ein, das Protein ARC (Apoptose Repressor mit Caspasen-Rekrutierungsdomäne). ARC kommt im Herzen, im Gehirn und im Skelett vor, nicht aber in der Leber. Doktor Stefan Donath hatte 2006 zeigen können, dass Herzmuskelzellen bei Herzversagen durch das Selbstmordprogramm der Zellen (Apoptose) absterben, dass ARC aber die Herzzellen vor dem Untergang bewahrt.

Die Apoptose oder der programmierte Selbstmord hat die Aufgabe, den Körper vor kranken oder defekten Zellen zu schützen. In der Krebsforschung bemühen sich Wissenschaftler deshalb, dieses Programm für eine Therapie zu nutzen. Ziel ist, die Apoptose, die bei Tumorzellen außer Gefecht gesetzt ist und die die Krebszellen deshalb unkontrolliert wachsen lässt, wieder anzuschalten, um die wuchernden Krebszellen in den Selbstmord zu treiben. Bei akutem Leberversagen hingegen gehen zum Schaden des Betroffenen verstärkt Leberzellen durch Apoptose zu Grunde. Diesen Untergang der Zellen versucht die Medizin zu stoppen, mit mäßigem Erfolg.

Donath und seine Mitarbeiter koppelten jetzt ARC an ein nichtinfektiöses Stück des AIDS- Virus HIV, kurz TAT genannt. TAT benutzten sie als Shuttle, um den Überlebensschalter in die Leber zu bekommen. Sie injizierten das Konstrukt über die Vene oder das Bauchfell in Mäuse mit akutem Leberversagen. „Innerhalb weniger Minuten gelangte das Fusionsprotein TAT-ARC in die Leber der Tiere und begann sofort zu wirken. ARC konnte das Absterben der Leberzellen aufhalten und die Tiere wurden alle vollständig geheilt“, erläutert Donath. „Dass ARC so rasch wirkt, ist ein großer Vorteil, denn im Notfall bleibt für eine Behandlung nicht viel Zeit. Und wenn der große Schaden überstanden ist, kann sich die Leber wieder sehr gut selbst regenerieren. Hinzu kommt, ARC gelangt über das Blut nicht nur in die Leber, sondern auch in andere Organe. Da der Überlebensschalter den Zellen aber nur für kurze Zeit verabreicht wird, kann ein Krebsrisiko weitgehend ausgeschlossen werden“, betont der Internist.

MEDICA.de; Quelle: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)