Therapieziel bei chronischer Erkrankung

Die chronisch inflammatorische demyelinierende Polyneuropathie (CIDP) ist eine entzündliche Erkrankung des peripheren Nervensystems, die von 100.000 Erwachsenen etwa jeden zweiten bis siebten befällt. Das klinische Erscheinungsbild ist nicht einheitlich, aber die häufigste Form führt zu einer fortschreitenden oder wiederkehrenden Muskelschwäche. Die gängige Therapie für diese Erkrankung ist die Gabe hochdosierter Immunglobuline, auch IVIG Therapie genannt, die effizient in der Lage ist, die Symptome der Erkrankung zu unterdrücken. Bisher war jedoch nicht bekannt, wie dieses Medikament beim Menschen wirkt.

Forschern ist es jetzt erstmalig gelungen, einen Einblick in den Mechanismus der IVIG Aktivität beim Menschen zu erhalten. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass ein Gendefekt, der zu einer verminderten Expression eines regulatorischen Eiweißstoffes, eines so genannten inhibitorischen Fc-Rezeptors, auf Fresszellen und B-Zellen führt, gehäuft bei CIDP Patienten vorkommt. Unter Therapie mit IVIG kam es zu einer Wiederherstellung der Expression dieses wichtigen Regulators, was mit einer Unterdrückung der Krankheitssymptomatik korrelierte.

Studien in Tiermodellen hatten schon länger auf eine wichtige Rolle dieses Proteins bei der Entstehung und Schwere von Autoimmunerkrankungen hingedeutet, aber es war unklar, ob diese Ergebnisse auch für den Menschen zutreffen. Die Ergebnisse lassen hoffen, dass neue Therapien, die gezielt die Expression dieses regulatorischen Eiweißstoffes beeinflussen, in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Autoimmunerkrankungen wie der CIDP spielen könnten.

MEDICA.de; Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg