Tiefe Hirnstimulation bei Alzheimer

In einem Gemeinschaftsprojekt haben die Kliniken für Psychiatrie und Stereotaxie der Uniklinik Köln eine innovative Studie zur Behandlung leichter bis mittelgradiger Alzheimer-Demenz mittels Tiefer Hirnstimulation initiiert. Basierend auf verschiedenen aktuellen wissenschaftlichen Ergebnissen hoffen die Wissenschaftler, dass sich die Tiefe Hirnstimulation positiv auf die neuronalen Regelkreise auswirkt, die im Rahmen der Alzheimer-Demenz vom Zelluntergang betroffen sind.

Als Ziel für die Stimulation im Gehirn haben die Kölner Wissenschafter vor allem den sogenannten Nucleus basalis Meynert im Visier. Ein Kernareal im Bereich des basalen Vorderhirns, das aussieht, wie eine flache Scheibe. „Die Zellen dieser Region versorgen mit dem Botenstoff Acetylcholin vielfältige Bereiche der Hirnrinde, die bei den Demenz-Kranken nicht funktionieren“, so Professor Volker Sturm, Direktor der Klinik für Stereotaxie und Funktionelle Neurochirurgie der Uniklinik Köln.

Das Behandlungskonzept wurde von Sturm gemeinsam mit dem Neurologen Professor Hans-Joachim Freund aus Düsseldorf entwickelt. Um das Zielareal genau zu treffen, ist Millimeterarbeit notwendig. Für diese Feinarbeit arbeiten die Mediziner der Kölner Uniklinik mit dem Düsseldorfer Neuroanatomen Professor Jürgen Mai zusammen.

Größte Hoffnung ist, dass die Stimulation das Voranschreiten der Alzheimer-Krankheit beeinflusst und verzögert, wie Professor Jens Kuhn, Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, erklärt: „Durch die Stimulation sollen Neurotrophine ausgeschüttet werden, also Schutz- und Wachstumsfaktoren für die Nervenzellen. Sind diese in ausreichendem Maß vorhanden, können sie den Fortbestand von neuronalen Verbindungen stabilisieren. So könnte der Verfall aufgehalten werden.“

„Für unsere Studie kommen nur Patienten in einem frühen bis mittleren Stadium der Erkrankung in Frage. Dann, wenn die Diagnose der Demenz gestellt ist und der Patient im Alltag noch alleine gut zurecht kommt, ist der richtige Zeitpunkt für eine Stimulation“, erläutert Kuhn. Voraussetzungen für die Teilnahme an der Studie sind: Erfüllte Diagnosekriterien einer Alzheimer-Demenz, Deutsch als Muttersprache, Alter zwischen 60 und 80 Jahre, Fähigkeit zur Einwilligung und die Zustimmung engster Angehöriger.


MEDICA.de; Quelle: Uniklinik Köln