Tiefe Hirnstimulation lindert schwere Dystonien

Hirnschrittmacher beruhigt
verkrampfte Muskeln; © PixelQuelle.de

Unter Dystonie versteht man eine Fehlfunktion bei der Kontrolle von Bewegungen, die vom Gehirn ausgeht und zu unwillkürlich verzerrenden Bewegungen, Fehlhaltungen und Muskelverkrampfungen führt. Für die schwersten Formen der Dystonie, die sogenannte generalisierte oder segmentale Dystonie, die weite Bereiche des Körpers erfasst, konnte jetzt erstmalig gezeigt werden, dass eine gezielte Neurostimulation in tiefen Hirnkernen zu einer weitreichenden Symptomlinderung führen kann. Die tiefe Hirnstimulation verbessert die Alltagsaktivitäten der Betroffenen und bewirkt eine Steigerung der Lebensqualität.

Erstmalig wurde die tiefe Hirnstimulation im inneren Pallidumglied (Globus pallidus internus) in einem kontrollierten prospektiven Untersuchungsaufbau mit einer Kontrollgruppe verglichen, die eine Scheintherapie erhielt. Zu diesem Zweck wurden alle in Frage kommenden Patienten durch die operative Implantation von Stimulationselektroden in das innere Pallidumglied und eines Neurostimulationssystems versorgt, nur bei der Hälfte der Patienten wurde nach der Operation aber eine effektive Stimulation eingestellt.

Nach dreimonatiger Behandlungsdauer wurden die Verbesserung der Krankheitssymptome in beiden Gruppen anhand von Videoaufnahmen der Patienten durch zwei unabhängige Experten beurteilt. Scheinstimulierte Patienten zeigten eine durchschnittliche Verbesserung der dystonen Bewegungen um nur 4.9% während die tiefe Hirnstimulation eine 39%ige Linderung bewirkte.

Im Anschluss an die verblindete 3-Monatsphase wurde bei allen Patienten eine effektive Stimulation eingestellt. Nach sechsmonatiger Nachbeobachtung zeigte sich in der gesamten Gruppe eine Verbesserung der Dystonie um 46%, der Alltagsaktivitäten um 41% und der Lebensqualität um 31%. Diese Befunde sind um so bedeutender, weil für diese Patientengruppe keine medikamentösen Behandlungsalternativen bestehen.

Die Erkrankung hatte bei den am schwersten betroffenen Patienten zu einer Bettlägerigkeit oder Rollstuhlpflichtigkeit geführt. Bei einigen dieser Patienten konnte durch die tiefe Hirnstimulation eine Selbständigkeit und Unabhängigkeit von Pflegemaßnahmen wiederhergestellt werden.

MEDICA.de; Quelle: Universität Rostock