Krankenhaus: Tipps zur Vermeidung von Infektionen

08.11.2013
Foto: Alkohol und Tabak

Auch Patienten können gegen Kran-
kenhausinfektionen vorbeugen, indem sie vor einem Eingriff weder rauchen noch trinken; © panthermedia.net/
Thanapol Kuptanisakorn

Experten der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin DIVI geben Tipps, wie sowohl Krankenhauspersonal als auch Patienten zur Vermeidung von Infektionen beitragen können.

Etwa 15 Prozent aller Patienten, die auf einer Intensivstation behandelt werden müssen, bekommen eine Infektion – überwiegend verursacht durch ihre eigene natürliche Bakterienflora, teilweise aber auch mit Krankenhauskeimen. Damit gehören die so genannten nosokomialen Infektionen zu den häufigsten Komplikationen eines Intensivstationsaufenthalts. Die beste Gegenmaßnahme ist eine strenge Einhaltung der Hygiene. Aber auch Patienten können viel tun, um eine Infektion zu verhindern.

Mehr als 100 Billionen Bakterien besiedeln unseren Körper. Auf der Haut liegen sie wie ein schützender Film, um schädliche Keime abzuwehren, in der Mundhöhle bilden sie die so wichtige Mundflora, im Darm die genauso wichtige Darmflora. „Der Mensch braucht diese Keime um zu überleben“, erklärt Prof. Sebastian Lemmen, Mitglied der Sektion Sepsis bei der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). „Zu einer Gefahr können die eigenen Erreger aber dann werden, wenn sie die physiologischen Barrieren durchbrechen und in den Körper gelangen.“ Der Hautschnitt bei einer Operation, Venen- und Blasenkatheter, künstliche Beatmung und Drainagen – all das können Eintrittspforten sein. Hinzu kommt, dass viele Patienten auf Intensivstationen ein schwächeres Immunsystem haben und deshalb anfälliger für Infektionen sind.

Zu den häufigsten nosokomialen Infektionen gehören Harnwegsinfektionen, verursacht durch einen Blasenkatheter, gefolgt von Atemwegsinfektionen und Wundinfektionen nach einer Operation. „Sie alle können den Zustand eines Patienten erheblich verschlechtern und den Heilungsprozess verzögern“, sagt Lemmen. „Da jeder Mensch, sowohl Patienten als auch das medizinische Personal, Keime mit sich herumträgt, sind nicht alle Infektionen vermeidbar. Aber mit den richtigen Hygienemaßnahmen können wir die Zahl der nosokomialen Infektionen um etwa 30 Prozent senken.“

Die wichtigste Maßnahme, und das nicht nur auf der Intensivstation, ist die Desinfektion der Hände. Vor und nach jedem Patientenkontakt sind diese gründlich zu reinigen. Mehr als 800 Krankenhäuser und 600 Intensivstationen beteiligen sich mittlerweile am Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System (KISS). Das System liefert wichtige Daten zur Epidemiologie und hat schon zu neuen Maßnahmen geführt. Dazu gehört die tägliche Ganzkörperwaschung mit antiseptischen Substanzen der Patienten, die auf einer Intensivstation liegen. „So konnten wir die Zahl der Infektionen schon deutlich senken“, sagt Professor Lemmen. „Leider ist diese Art des Desinfektion noch nicht Standard, doch sie wird immer häufiger angewandt.“

Allen sollte daran gelegen sein, die Gefahr einer Infektion möglichst gering zu halten. Jeder kann dazu beitragen. „Wer eine Operation vor sich hat und raucht oder gerne Alkohol trinkt, sollte diese Genussmittel möglichst meiden“, rät der Aachener Infektiologe. „Bei Rauchern und Menschen, die viel Alkohol trinken, können Keime leichter in den Körper eindringen und sich dort ausbreiten, weil ihr Immunsystem schlechter arbeitet. Das gilt auch für Übergewichtige. Jedes Pfund weniger reduziert das Infektionsrisiko.“

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin