Die Einführung der hoch wirksamen antiretroviralen Therapie (highly active antiretroviral therapy: HAART) hat die AIDS-spezifische Mortalitätsrate deutlich und auch nachhaltig gesenkt. Während man vor der HAART-Ära in der Regel sehr gut wusste, woran HIV-positive Patienten versterben, sind die Todesursachen Infizierter nach Einführung der HAART erstaunlicherweise nicht mehr ganz so gut erforscht worden.

Wissenschaftler der Feinberg School of Medicine, Northwestern University, Chicago, USA, haben jetzt diese medizinische Fragestellung geklärt. Sie untersuchten an den Teilnehmern der HIV Outpatient Study (HOPS), an welchen Ursachen HIV-infizierte Personen jetzt sterben.

Grundsätzlich kann man sagen, dass die Sterberate von sieben Todesfällen pro 100 Personenjahren HIV-Positiver im Jahre 1996 auf 1,3 Todesfälle pro 100 Personenjahre im Jahre 2004 fiel. Erhöht sind die Todesraten bei farbigen US-Amerikanern und jenen, die intravenös Drogen zu sich nehmen.

Während die Todesfälle, die direkt mit AIDS in Verbindung stehen, sanken, haben sich andere Todesursachen in den Vordergrund geschoben. Dazu zählen unter anderem Bakteriämien, gastrointestinale und hepatische Erkrankungen sowie Erkrankungen der Niere. Auch bösartige Neoplasien, die nicht mit AIDS in Verbindung stehen, nehmen bei HIV-Infizierten zu, ebenso kardiovaskuläre und pulmonale Erkrankungen.

Da ist es nicht erstaunlich, dass sich die durchschnittliche CD4-Zellzahl zum Zeitpunkt des Todes zwischen 1996 und 2004 fast verfünffacht hat.

Patienten mit einer HIV-Infektion leben unter HAART deutlich länger als früher, so das Fazit der Autoren. Aber nicht so lange wie gesunde Menschen. Wenn sie sterben, dann häufig an Krankheiten, die nicht direkt mit ihrer Infektion zu tun haben.

MEDICA.de; Quelle: Journal of Aquired Immune Deficiency Syndrome 2006, Vol. 43, S. 27-34